Vier Jahre nach der gefeierten Helloween-Reunion richtet Kai Hansen den Blick wieder auf seine eigene Musik.
Mit "Born With A Hammer" hat der Gitarrist und Sänger sein neues Soloalbum veröffentlicht.
Hansen gehört zu den prägenden Figuren des europäischen Power Metal. Er war 1984 Mitbegründer von Helloween (Markenzeichen: Kürbis), rief später Gamma Ray ins Leben und beeinflusste mit seinem Gitarrenspiel sowie seinem Gesang zahlreiche Bands. Nun erschien sein neues Solowerk "Born With A Hammer".
Einen ersten Eindruck hatten Hansen und sein Label bereits mit den Songs "Feeding The Beast", "Welcome To Life" und "Wait And See" vermittelt. Die drei Stücke zeigen, dass sich der Musiker auf seinem neuen Album nicht allein auf den klassischen Power-Metal-Sound seiner bekanntesten Bands beschränkt.
Das Zentrum der Platte bildet der beinahe acht Minuten lange Titelsong. "Born With A Hammer" folgt keiner einfachen Strophe-Refrain-Struktur, sondern wechselt mehrfach Tempo, Stimmung und musikalische Richtung.
Der Song beginnt vergleichsweise direkt, öffnet sich anschließend aber immer wieder für neue Abschnitte. Harte Gitarren treffen dabei auf melodische Passagen und überraschende Übergänge. Trotz seiner Länge soll der Titel nicht wie eine Aneinanderreihung einzelner Ideen wirken, sondern als zusammenhängendes Stück funktionieren.
Im Umfeld der Veröffentlichung wurde der Song mit "Bohemian Rhapsody" von Queen verglichen. Gemeint ist damit weniger eine klangliche Ähnlichkeit als vielmehr der ungewöhnliche Aufbau.
Wie das berühmte Queen-Stück verbindet Hansens Titeltrack mehrere musikalische Teile zu einem großen Gesamtbild.
Auch auf den übrigen neun Songs hält sich Hansen nicht streng an eine bestimmte Richtung. Das Album verbindet Heavy Metal mit Elementen aus Punk und Hard Rock. Dazu kommen eingängige Melodien und Passagen, die sich vom vertrauten Klang seiner bisherigen Bands entfernen.
"Wait And See" fällt dabei besonders auf. Der Song besitzt einen modernen, stellenweise industriell geprägten Sound und erinnert weniger an den klassischen Power Metal, für den Hansen bekannt ist. Andere Stücke rücken wiederum näher an seine musikalischen Wurzeln.
Die Platte versucht damit nicht, ein bestimmtes Kapitel seiner Karriere nachzubauen. Vielmehr greift Hansen unterschiedliche Einflüsse auf, die ihn während seiner jahrzehntelangen Laufbahn begleitet haben.
Produziert wurde "Born With A Hammer" von Kai Hansen, Eike Freese und Alexander Dietz (Heaven Shall Burn). Freese spielte zusätzlich Gitarre ein, Dietz übernahm den Bass. Am Schlagzeug ist Dan Wilding (Carcass) zu hören. Eine weitere Gitarre spielte Kais Sohn Tim Hansen (Induction) ein.
Die Besetzung spiegelt auch den Ansatz der Platte wider. Statt sich ausschließlich am klassischen Helloween- oder Gamma-Ray-Stil zu orientieren, bringt jeder Beteiligte seine eigene musikalische Erfahrung ein.
Hansens neues Werk erscheint in einer Phase, in der Helloween international wieder große Erfolge feiert. Seit der Reunion stehen frühere und aktuelle Mitglieder gemeinsam auf der Bühne. Die Band absolvierte umfangreiche Tourneen und veröffentlichte neue Musik.
Seinen Platz in der Geschichte des Metal hat Hansen damit längst sicher. "Born With A Hammer" ist dennoch keine reine Rückschau auf frühere Erfolge. Das Album zeigt vielmehr einen Musiker, der auch nach Jahrzehnten verschiedene Stilrichtungen ausprobieren und seinen eigenen Sound erweitern will.
Für Fans von Helloween und Gamma Ray bietet die Platte viele vertraute Elemente. Gleichzeitig dürfte sie jene überraschen, die von Kai Hansen ausschließlich schnellen Power Metal mit hohen Gesangslinien erwarten. Gerade diese Mischung macht deutlich, dass der Titel "Born With A Hammer" nicht nur für Härte steht, sondern auch für einen Musiker, der weiterhin seinen eigenen Weg einschlägt.