Für Herbert Bichler war es eine gewohnte Runde mit seinem Nova-Scotia-Mischling Alfi. Der 14-jährige Hund entfernte sich im Weingarten in Walkersdorf am Kamp kaum von seinem Halter. Doch diesmal kam er nicht zurück.
Stundenlang suchte Bichler nach seinem Hund. Erst vier Tage später wurde Alfi tot gefunden. Der Rüde hatte eine Schusswunde am Rumpf.
Einen Knall habe sein Halter nicht gehört. Ob ein Schalldämpfer verwendet wurde, ist laut Tierschutz Austria Teil der Ermittlungen. Wer den Hund erschossen hat, ist bisher unbekannt. Tierschutz Austria setzt nun 1.000 Euro Belohnung für Hinweise aus, die zur rechtsgültigen Verurteilung des Täters führen. Sachdienliche Hinweise können an [email protected] gemeldet werden. Sie sollen an die Polizei weitergegeben werden.
"Ein 14-jähriger Hund liegt mit einer Kugel im Körper, und niemand steht dafür gerade. 1.000 Euro sind wenig gegen ein Leben. Sie sind das Signal: Dieser Fall versandet nicht", sagt Martin Aschauer von Tierschutz Austria.
Der Verein verweist auf weitere Fälle getöteter Haustiere. So wurde laut Tierschutz Austria der Border Collie Cooper Ende Dezember 2025 in Oberösterreich bei Tageslicht wenige Meter vor seinem Halter erschossen. Der Hund trug demnach ein Neon-Geschirr.
Im Jänner 2026 wurde in der Steiermark der Australian-Shepherd-Husky-Mix Bailey erschossen. Auch er soll eine Warnweste getragen haben und sich rund 17 Meter von einem Hochstand entfernt befunden haben.
Im Fall der Katze Peach brachte Tierschutz Austria eine Anzeige ein. Die Katze war laut Verein in einer Lebendfalle gefangen und anschließend durch einen Kopfschuss getötet worden. Es kam zu einem Freispruch. Nun reiht sich Alfi in die Fälle ein.
Tierschutz Austria kritisiert, dass Haustiere unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen des Jagdrechts getötet werden dürfen. Ab 1. Oktober gelten in Niederösterreich unter anderem Schusszeiten für Fasan und Feldhase. Füchse, Steinmarder und Wildschweine dürfen ganzjährig bejagt werden. "Das Gesetz macht aus Familienhunden Zielscheiben. Nicht erst im Herbst. Das ganze Jahr", so Aschauer.
Tierschutz Austria verweist außerdem auf eine Petition, die laut Verein bereits von rund 25.000 Menschen unterstützt wird. Gefordert wird ein Ende der Tötung von Haustieren im Rahmen der Landesjagdgesetze.
Ein von Tierschutz Austria angeführtes Rechtsgutachten von Univ.-Prof.in Dr.in Erika Wagner aus dem Jahr 2025 kommt laut Verein zu dem Schluss, dass der Abschuss von Haustieren verfassungswidrig, unverhältnismäßig und ethisch nicht vertretbar sei.
Tierschutz Austria fordert deshalb unter anderem ein österreichweites Verbot der Tötung von Haustieren in den Landesjagdgesetzen. Außerdem verlangt der Verein psychologische Eignungstests für Jagdscheinbesitzer, ein Alkoholverbot bei der Jagd, strengere Konsequenzen bei Verstößen sowie eine einheitliche Erfassung von Haustierabschüssen. Für Alfi kommt jede Änderung zu spät. Der 14-jährige Familienhund ist tot – der Schütze weiterhin unbekannt.