"Ich hoffe, dass bei der COP30 etwas erreicht wird. Allerdings steht das Treffen unter einem schlechten Vorzeichen", erklärt Katharina Rogenhofer vom Wiener Kontext-Institut für Klimafragen. "Die Vertreter der fossilen Industrie, also Öl- und Gaskonzerne, treten dort teils in größeren Gruppen auf als die Staats- und Regierungsvertreter", so die Wienerin (komplettes Interview unten im Video).
Man müsse beim Klimagipfel "berücksichtigen, dass mit Donald Trump ein Präsident an der Spitze der USA steht, der unter dem Motto 'Drill, baby, drill' das letzte Öl und Gas aus dem Boden holen" wolle. Deswegen sei es "umso wichtiger, dass sich die mehr als 190 Staaten zusammenfinden und eine ambitionierte Schlusserklärung abgeben. Es steht viel auf dem Spiel", so die studierte Zoologin.
Wer sind die "Guten" auf der COP30? "Oft sind es kleine Länder wie Costa Rica, die beim Klimaschutz vorne dabei sind, die ihre Emissionen schon drastisch reduziert haben. Die EU war bis jetzt Vorreiter. Jetzt wird man sehen, ob sie diesem Status noch gerecht wird oder nicht", mahnt Rogenhofer.
Auch das Teilnehmerland China sei "spannend", weil das Land voll auf die Zukunftstechnologien setze. "PV-Anlagen und Elektromobilität kommen schon jetzt vor allem aus China", erklärt Rogenhofer. "Die machen das nicht aus ökologischem Gewissen, sondern die wissen, dass sie die Welt damit versorgen können in Zukunft."
Zum neuen Sammelband "Wie wir leben wollen. Visionen für eine bessere Welt" (Verlag edition a, 25 Euro) hat Katharina Rogenhofer gemeinsam mit Klima-Experten Daniel Huppmann einen Beitrag beigesteuert: "Wo geht es hier ins Umweltmusterland?". Die insgesamt 39 Visionen von Denkern und Wissenschaftern berühren zahlreiche gesellschaftsrelevanten Themen – von Klima über Arbeit und von Migration bis zur Künstlichen Intelligenz.
Europa sei am Gipfel gefordert - vor allem "strategisch": Man müsse sich fragen: "Wollen wir bei der Zukunftswelle dabei sein und die Innovationen weiterhin in Europa produzieren? Oder lassen wir uns da von China überrollen? Das hieße dann aber, dass bei uns vermutlich "einige Industriezweige zusperren" müssten.
"Es ist eine Zeit angebrochen, wo Länder sich wirklich entscheiden müssen zwischen dem alten System, also Öl, Kohle, Gas zu verbrennen oder auf die neue Welle aufzuspringen", so Rogenhofer mit einem positiven Blick in die Zukunft. "Und ich glaube auch tatsächlich, dass die Länder sich klar sein müssen, dass das auch wirtschaftliche Vorteile bringt."