Seit der Trennung von ihrem Partner im Dezember 2025 hat Tiffany Emmerson kein eigenes Zuhause mehr. Auf dem überhitzten Wohnungsmarkt an Australiens Ostküste gibt es kaum noch freie Wohnungen – und wenn, dann nur zu unleistbaren Preisen.
Die 33-Jährige ist mit ihren vier Kindern als "Couchsurferin" auf die Hilfe von Freunden und Bekannten angewiesen. Auf die Dauer ein unhaltbarer Zustand. Ihr jüngstes Kind ist gerade einmal sechs Wochen alt.
Auf der Suche nach Hilfe bekam sie einen Rat, der sie noch heute fassungslos macht: Sie solle sich ein Zelt kaufen und einen geeigneten Platz suchen, an dem sie es mit ihren Kindern aufstellen könne.
"Es gibt einfach keine freien Häuser, gar nichts. Offenbar gibt es keine Notunterkünfte, keine Obdachlosenheime", schildert Emmerson ihre Lage bei ABC News Australia. "Es gibt absolut nichts. Die Menschen leben in Zelten."
Dabei hatte Emmerson nach eigenen Angaben bereits sämtliche Obdachlosen- und Wohnungshilfen in Townsville im Bundesstaat Queensland kontaktiert. Doch überall habe sie dieselbe Antwort bekommen: Es gebe keine freien Plätze.
Damit bleibt Emmerson vorerst auf die Hilfe anderer angewiesen. Derzeit wohnen Tiffany und ihre vier Kinder bei ihrer Tante Kristy Emmerson. Doch die lebt selbst in einer kleinen Sozialwohnung. Die Angst, am Ende mit ihren vier Kindern im Auto schlafen zu müssen, begleitet sie ständig.
Die ständige Ungewissheit bekommen auch ihre Kinder mit. Sie sind sieben, vier und zwei Jahre alt, dazu kommt das erst sechs Wochen alte Baby. "Man kann einem Zweijährigen, einem Vierjährigen und einem Siebenjährigen nicht wirklich erklären, was vor sich geht", sagt Emmerson.
Die Mutter versucht, ihnen trotz der ständigen Ortswechsel so viel Normalität wie möglich zu geben. Doch jedes Mal muss die Familie ihre Sachen wieder zusammenpacken - darunter Windeln, Kleidung, Fläschchen und ein Sterilisator für das neugeborene Baby.
Auch Kristy belastet die Situation. "Das ist Australien. Wann war es jemals in Ordnung, dass Menschen kein Zuhause, kein Dach über dem Kopf hatten?", sagt sie. Tiffanys Antrag auf eine Sozialwohnung wurde inzwischen genehmigt. Wann tatsächlich eine Wohnung für die Familie frei wird, ist allerdings völlig offen.
Tiffanys Schicksal ist in Townsville kein Einzelfall. "Familien schlafen in Autos, und immer mehr Zelte tauchen rund um Townsville auf", sagt Kym Musumeci, Vorsitzende des Townsville Housing and Homeless Network.
Nach ihren Angaben suchen täglich zwischen 50 und 80 Menschen das örtliche Obdachlosenzentrum des Roten Kreuzes auf. Dort fehlen allerdings die nötigen Ressourcen, um allen Betroffenen ausreichend zu helfen. Seit mehr als zwei Jahren fordert das Netzwerk deshalb eine eigene Obdachlosenunterkunft für Townsville.
Wie sichtbar das Problem inzwischen geworden ist, zeigen auch illegale Zeltlager in der Stadt. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Bürgermeister Nick Dametto Bilder von einem solchen Lager.
Doch Abhilfe ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Die Regierung hat erst kürzlich 42 Millionen australische Dollar bei Programmen für Notunterkünfte eingespart, während kaum leistbarer Wohnraum geschaffen wird.
Die Regierung von Queensland verweist auf Investitionen in den Wohnbau und bestehende Hilfsangebote. Seit ihrer Wahl seien in Townsville 110 Sozialwohnungen und leistbare Wohnungen geschaffen worden, weitere 349 befänden sich im Bau.
Der Bedarf bleibt dennoch enorm. Mehr als 44.000 Menschen stehen im Bundesstaat Queensland auf der Warteliste für eine Sozialwohnung. In Townsville sind es 3.558.
Für Tiffany ist die Suche nach einem sicheren Zuhause inzwischen ein "absoluter stressiger Albtraum". Ein Zelt kann für sie und ihre vier Kinder keine Lösung sein.