Sie arbeitet hart, nimmt Zusatzjobs an, fährt nicht auf Urlaub, geht nicht fort, raucht nicht. Susanne S. gönnt sich keinen Luxus, trotzdem reicht das Geld niemals aus.
Das Thema ist in Hunderttausenden Haushalten in Österreich das Diskussionsthema Nummer eins. Derzeit sorgt der Bundeskanzler mit seinen Aussagen zu Kindererziehung und Geldbezügen für heftige Diskussionen.
Die Oberösterreicherin Susanne S. jedenfalls ist völlig am Limit. Die Alleinerzieherin aus dem Linzer Umland wird in wenigen Tagen 47 Jahre alt und kämpft täglich um das finanzielle Überleben. Sie bekommt keine Alimente, keine Wohnbeihilfe, sonst auch keine Leistungen. "Ich bin 24/7 Mutter", sagt sie zu "Heute". Ihre Arbeit reiche finanziell "hinten und vorne" nicht aus.
Susanne entschied sich bewusst dafür, ihren Sohn alleine großzuziehen. Anfangs war sie zuversichtlich. "Ich dachte, das schaffe ich schon."
Doch Wohnung, Betreuung und die laufenden Kosten wurden schnell zur Mission Impossible. Einzige Möglichkeit zu sparen: Susanne nahm sich eine kleinere Wohnung. Für einen Umzug musste sie sich allerdings Geld ausborgen. Später nahm sie Zusatzjobs an und arbeitete zeitweise bis zu 60 Stunden pro Woche.
Mittlerweile stellt sich die Mutter bittere Fragen: "Kann man nur mit einem Mann überleben? Muss man abhängig sein, damit man sich ein Kind, Wohnung, Auto und Essen und Schulbildung für das Kind leisten kann?"
Die Einzelkämpferin lebt äußerst sparsam. Trotzdem rechnet sie mittlerweile mit rund 2.000 Euro Mehrkosten pro Jahr, so viel kostet sie die Teuerung pro Jahr. "Wo soll ich die hernehmen?", fragt sie.
Auch bei Unterstützungen wird sie häufig abgewiesen. Bei der Rezeptgebührenbefreiung liegt sie mit ihrem Einkommen wenige Euro über der Grenze. Eine Befreiung vom ORF-Beitrag sei erstmals abgewiesen worden, davon hängt aber etwa der Sozialtarif beim Strom ab – es wäre eine große Hilfe.
"Ich will es alleine schaffen und bis jetzt ging es auch", sagt sie. Doch jeden Monat müsse sie aufs Neue rechnen.
Ihr Sohn braucht mittlerweile Schuhe in Größe 46, Kleidung sucht sie auch auf Kinderflohmärkten. Der 14-Jährige wünsche sich einen E-Scooter wie seine Freunde. Dafür fehlt das Geld. Urlaub ist sowieso nicht drinnen: "Ich muss ihm jedes Jahr sagen, dass wir wieder nicht wegfahren."
„Ich will meinem Sohn nicht die Zukunft verbauen“Susanne S. (46)
Viel mehr als Urlaub oder E-Scooter beschäftigt Susanne die Zukunft ihres Kindes. Ihr Sohn möchte eine höhere Schule im landwirtschaftlichen Bereich besuchen und dafür ins Internat. Kostenpunkt laut seiner Mutter: rund 400 Euro pro Monat.
"Ich will meinem Sohn nicht die Zukunft verbauen. Er soll in eine Schule gehen", sagt sie. Doch diese zusätzlichen Kosten könne sie auch mit noch mehr Arbeit nicht stemmen.
Finanzielle Unterstützung aus der Familie ist kaum möglich. Ihre Eltern hätten selbst Geldprobleme. Sie ist kein Einzelfall: Susanne hat Freundinnen, die sagen, sie könnten sich eine Trennung vom Partner finanziell nicht leisten.
Genau diese Abhängigkeit will die Oberösterreicherin für sich nicht. "Ich will nur ein normales Leben. Nur eine Wohnung und für meinen Sohn sorgen."
Sie gehe arbeiten und versuche seit Jahren, alles alleine zu stemmen. Doch nun sei eine Grenze erreicht: "Es reicht und es muss sich was ändern."