Der Sommer 2026 liest sich in einer neuen Klima-Einordnung wie eine Wetterreise Richtung Süden. Deutsche und österreichische Städte erreichen inzwischen mittlere Sommertemperaturen, die es früher nur in Urlaubsregionen am Mittelmeer gab.
Das zeigen die Meteorologen Silvio Wandel aus Chemnitz (D) und UBIMET-Experte Nikolas Zimmermann mit eindrücklichen Visualisierungen.
Besonders auffällig: Freiburg kommt demnach auf 24,55 Grad Sommermitteltemperatur und wird klimatisch mit Sizilien beziehungsweise dem äußersten Süden Italiens verglichen. Frankfurt liegt mit 22,45 Grad im Bereich von Zentralspanien oder der Toskana, Mainz mit 22,27 Grad bei Venetien und Norditalien.
Auch weiter nördlich zeigt sich die Verschiebung deutlich. Köln wird mit 21,00 Grad in Richtung norditalienische Seen und Adriaküste eingeordnet, Berlin mit 20,38 Grad in Richtung Nordwestbalkan und Pannonische Tiefebene. Hamburg liegt mit 19,16 Grad laut Karte klimatisch etwa bei Paris.
Die Visualisierung ist als Einordnung zu verstehen, der Kern der Aussage bleibt der Temperaturvergleich: Städte wirken anhand der Sommermittelwerte heute deutlich südlicher, als es frühere Klimawerte nahelegen.
Die Folgen betreffen nicht nur Wetterrekorde, sondern auch den Alltag in Städten. In der Einordnung heißt es dazu: "Unsere Städte wurden nicht gebaut um klimatisch so weit im Süden zu liegen." Gemeint sind vor allem Fragen wie Hitzeschutz, Abkühlung und Belastung in dicht verbauten Gebieten.
Auch Wien passt in dieses Bild. Die mittlere Temperatur lag im Sommer bei 24 Grad. Damit blieb Wien nur knapp unter dem Klimamittel 1991 bis 2020 im Florenz-Prato-Pistoia-Becken, das mit 24,4 Grad angegeben wird.
Noch deutlicher wird der Vergleich bei den Tageshöchstwerten: In Wien lag der mittlere Tageshöchstwert heuer bei 30,1 Grad. Das wird als neuer Rekord eingeordnet und entspricht dem durchschnittlichen Tageshöchstwert von Rom im Zeitraum 1991 bis 2020. Dazu kamen laut Einordnung 13 rekordwarme Tage im Sommer.
"Kaum zu glauben, aber in Wien war es in diesem Sommer im Mittel heißer, als es früher einmal in Rom oder in Catania (Sizilien) war", schreibt Wetterfachmann Manuel Oberhuber.
Damit sei ein Grad der Erwärmung, den eine Studie erst für 2050 berechnet hatte, bereits im heurigen Ausnahmesommer eingetreten. Demnach verlagern sich die Klimazonen rund 1000 Kilometer nach Norden.
"Wien bekommt die Hitze und Dürre des südlichen Balkans – oder eben Süditaliens", fasst es Oberhuber zusammen.
Auffällig ist auch, dass kühle Wetterabschnitte seltener werden. Zimmermann bringt es auf den Punkt: "Die Verschnaufpausen schrumpfen."