Unser Wasserschatz rinnt davon

"Wer noch Gletscher sehen möchte, muss sich beeilen"

Neue Bilder zeigen den dramatischen Rückzug der Alpen-Gletscher. Das Hochgebirge verändert sich in irrsinnigem Tempo.
Newsdesk Heute
06.09.2026, 10:30
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Das ewige Eis der Alpen verschwindet – und die neuen Vergleichsbilder zeigen, wie brutal schnell sich die Landschaft im Hochgebirge verändert. Wo früher mächtige Eisflächen lagen, treten heute Fels, Schutt und schmale Eisreste hervor.

Besonders deutlich ist das am Corvatsch-Gletscher zu sehen. Die Bildreihe zeigt Aufnahmen von 1969 bis 2026: Anfangs ist der Hang noch großflächig von Schnee und Eis bedeckt. Jahr für Jahr wird der dunkle Fels sichtbarer. Auf den jüngsten Bildern ist vom einst mächtigen Gletscher nur noch ein deutlich kleinerer Rest übrig.

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Meteorologe Nikolas Zimmermann bringt den Wandel drastisch auf den Punkt: "Ich glaube, vielen ist noch immer nicht bewusst, wie rasant sich die Landschaft im Hochgebirge verändert. Im Maßstab der Erdgeschichte ist das, was wir gerade beobachten, ein irrsinniges Tempo. Und ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht absehbar."

Auch Lander Van Tricht, Mitarbeiter bei der Professur für Glaziologie an der ETH Zürich, beschreibt den massiven Rückzug des Corvatsch-Gletschers über 57 Jahre. Er schreibt er dazu, dass es kaum noch vorstellbar, dass hier Jahrzehnte lang im Sommer Ski gefahren wurde. Heute bleibe nur noch ein kleiner Eisrest.

Ewiges Eis stirbt vor unseren Augen

Noch dramatischer wirkt der Vergleich beim Schlatenkees in der Venedigergruppe. Auf dem Bild von 2022 reicht die Gletscherzunge noch deutlich weiter talwärts. Auf der Aufnahme von 2026 ist der untere Bereich stark zurückgewichen, mehr Fels liegt frei, die Eisverbindung wirkt unterbrochen. Die Veränderung innerhalb von nur vier Jahren ist massiv.

Der Österreichische Alpenverein schreibt dazu: "Gletscher sterben, auch wenn man nicht hinsieht – und zwar in großen Schritten." Das Schlatenkees liegt östlich des Großvenedigers, der 3.657 Meter hoch ist. Laut den aktuellen Berichten der Gletschermesser ist die Gletscherzunge in diesem Sommer endgültig abgerissen.

Als Gründe für den enormen Rückzug werden wenig Schnee und mehrere Hitzewellen genannt. Genau diese Kombination setzt den Gletschern besonders stark zu: Fehlt im Winter die schützende Schneeschicht, liegt das Eis im Sommer früher frei. Kommen dann lange Hitzephasen dazu, schmilzt nicht nur Schnee, sondern auch altes Gletschereis.

Die Folgen reichen über spektakuläre Vorher-nachher-Bilder hinaus. Der Deutsche Alpenverein warnt: "Mit dem Gletschereis verlieren wir riesige Wasserspeicher in den Alpen." Damit geht nicht nur ein prägendes Landschaftsbild verloren, sondern auch ein wichtiger Teil des alpinen Wasserhaushalts.

Wasserschatz der Alpen

Die Alpen sind Europas wichtigstes Wasserspeicher- und Verteilzentrum. In den Bergen fällt mehr Regen und Schnee als im Flachland, weil Wolken an den Alpen aufsteigen und sich abregnen. Ein Teil dieses Niederschlags bleibt als Schnee und Eis auf den Gletschern liegen. Sie speichern rund 100 Kubikkilometer Wasser in Form von Eis.

Im Sommer taut dieses Eis und fließt zeitversetzt über Bäche, Wildflüsse und Gebirgsseen ins Tal. Genau dieses verzögerte Abfließen sorgt dafür, dass auch trockene Sommermonate noch Wasser führen. Von den Alpen aus speisen sich große Flüsse wie Rhein, Rhone, Po und Donau, die Wasser über weite Strecken nach Europa tragen.

Mit dem Gletschereis verliert der Kontinent damit nicht nur ein Stück Hochgebirgslandschaft, sondern auch riesige natürliche Wasserspeicher. Das Alpenwasser bedeutet Trinkwasser für Millionen Menschen, erneuerbare Energie durch Wasserkraft, Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie Erholungsraum für den Menschen.

Für Österreich fällt die Einschätzung düster aus. Van Tricht warnt: "Wer in Österreich noch Gletscher sehen möchte, muss sich beeilen". Binnen einigen Jahrzehnten werde das Alpenland wohl nahezu eisfrei sein. Die Bilder zeigen bereits jetzt, wie rasant die Entwicklung voranschreitet.

{title && {title} } red, {title && {title} } 06.09.2026, 10:30
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