Anfang September ist für die Bauern seit Jahrhunderten eine besondere Zeit. Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler – und auf den Almen naht der Abschied vom Sommer. Eine alte Bauernregel bringt diesen Wendepunkt auf den Punkt:
„Zu Sankt Veit geht’s auf die Weid, Sankt Rosal treibt’s Vieh ins Tal.“
Gemeint sind der 15. Juni und der 4. September. Während die Tiere im Frühsommer auf höher gelegene Weiden gebracht wurden, begann Anfang September traditionell die Zeit des Almabtriebs.
Für die Menschen von damals war das keine romantische Kalenderweisheit, sondern eine praktische Orientierung. Das Vieh sollte so lange wie möglich das Futter auf den Bergweiden nutzen. Gleichzeitig durfte der Rückweg nicht zu spät erfolgen.
Denn die Bedingungen konnten jederzeit kippen. Kälte, Regen, Nebel oder ein früher Wintereinbruch machten Wege in den Bergen gefährlich. Der 4. September war deshalb vor allem ein gut merkbarer Zeitpunkt, ab dem der Abstieg ins Tal näher rückte.
Heute ist daraus vielerorts ein traditioneller Festtag geworden. Geschmückte Kühe, Musik und Besucher machen den Almabtrieb zu einem beliebten Spektakel. Mit einer echten Wetterprognose hat die Bauernregel allerdings nicht viel zu tun.
Das zeigt auch der Blick auf die aktuelle Wetterlage in Österreich. Für Freitag, den 4. September, sagt GeoSphere Austria verbreitet sonniges Wetter voraus. Im Osten und Südosten sowie in weiteren Landesteilen sind sommerliche Temperaturen zu erwarten.
In Niederösterreich werden etwa 25 bis 30 Grad prognostiziert, in Wien rund 30 Grad. Dazu weht mäßiger bis lebhafter Westwind. Damit präsentiert sich der vermeintliche "Herbst-Wendepunkt" zunächst alles andere als herbstlich.
Die Bauernregel erzählt also vor allem von einem Wechsel im bäuerlichen Jahresrhythmus. Sie sagt nicht voraus, dass am 4. September plötzlich die Temperaturen abstürzen oder der Sommer endet. Das Wetter wird von der jeweiligen Großwetterlage bestimmt – und die kann Anfang September durchaus noch hochsommerliche Tage bringen.
Auch die weitere Entwicklung zeigt, wie wenig sich eine einzelne Bauernregel als Wetterorakel eignet: Für Samstag wird zwar eine Störungszone erwartet, gleichzeitig soll es in Teilen Österreichs weiterhin sehr warm bleiben. Die Höchstwerte können je nach Region zwischen etwa 23 und 33 Grad liegen.
Der Spruch hat damit eine andere Botschaft: Nicht das Wetter macht den Herbst – sondern der bäuerliche Kalender erinnert daran, dass sich der Sommer langsam verabschiedet.