Ansage an Zweifler

"Gewissheit so groß wie Himalaja" – Klimatologe warnt

Nach der Flutkatastrophe in Nepal erklärt Klimaforscher Benjamin Horton, warum Warten auf absolute Gewissheit gefährlich wäre.
Newsdesk Heute
05.09.2026, 19:45
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Nach der schweren Flut in Nepal wird weiter diskutiert, welche Rolle die Klimakrise bei der Katastrophe gespielt hat. Der Klimaforscher Benjamin Horton von der University of Hong Kong warnt nun davor, wissenschaftliche Vorsicht mit Entwarnung zu verwechseln.

In einem Interview mit der "Nepali Times" erklärt Horton, dass die genaue Abfolge der Ereignisse noch rekonstruiert werde: Wie der Gletscher kollabierte, ob tauender Permafrost oder Schmelzwasser beteiligt waren und ob eine kurzfristige Blockade des Flusses die Flut verstärkte.

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"Nicht warten, bis alles bewiesen ist"

Wenn Wissenschafter nun erklären, dass ein Zusammenhang zwischen Nepal-Katastrophe und dem Klimawandel "noch nicht klar" sei, beziehen se sich auf die genaue Zuordnung dieses einzelnen Ereignisses, aber nicht auf die generellen Auswirkungen der Erderwärmung auf den Himalaja.

Der Forscher formuliert es im Interview deutlich: "Wir müssen den Klimawandel nicht als einzigen oder unmittelbaren Auslöser betrachten, um seine Rolle anzuerkennen. Rauchen verursacht zwar nicht jeden einzelnen Fall von Lungenkrebs, aber wir wissen, dass es das Risiko erhöht. In ähnlicher Weise begünstigt die globale Erwärmung zunehmend instabile Bedingungen in den Bergen."

Gletscher ziehen sich zurück

Horton beschreibt den Himalaja als bereits stark belastetes System. Gletscher würden sich zurückziehen, Permafrost taue auf, steile Berghänge würden instabiler. In solchen Regionen könne ein lokaler Bruch rasch zu einer Lawine oder einem Murenstrom werden.

Besonders brisant: Laut Horton hat Nepal in etwas mehr als 30 Jahren fast ein Drittel seines Gletschereises verloren. In der zuletzt untersuchten Dekade schmolzen die Gletscher demnach um 65 Prozent schneller als in der vorangegangenen.

Warnung vor falscher Sicherheit

Auch Anpassung allein reiche nicht aus, warnt der Experte. Nepal brauche bessere Überwachung von Gletschern und Permafrost, Satellitendaten, Gefahrenkarten, Frühwarnsysteme, Evakuierungspläne und stabilere Infrastruktur.

Doch das ändere nichts an der Ursache. Übersetzt sagt Horton: "Anpassung behandelt die Folgen. Sie beseitigt nicht die Ursache." Wenn Treibhausgasemissionen weiter steigen, würden Gletscher und Permafrost weiter unter Druck geraten.

Nepal als Warnsignal

Für Horton zeigt die Katastrophe, wie die Klimakrise künftig immer öfter auftreten kann: nicht als einzelnes Ereignis, sondern als Kette. Höhere Temperaturen schwächen Eis und Fels, ein Kollaps kann Flüsse blockieren, eine solche Blockade kann brechen – und Täler binnen Minuten treffen.

Seine Botschaft: Jeder vermiedene Bruchteil eines Grades Erwärmung zählt. Wohlhabendere und emissionsstarke Länder müssten ihre Nutzung von Kohle, Öl und Gas rasch senken und gefährdeten Ländern bei Schutz, Forschung und Wiederaufbau helfen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 05.09.2026, 19:45