Von Generation zu Generation

IQ im Sinkflug: Werden die Menschen immer dümmer?

Sinkt der IQ durch Bildschirmzeit? Chemiker Christian Mähr fragt, ob Fernsehen und Handy Aufmerksamkeit binden und ob abstraktes Denken leidet.
Newsdesk Heute
06.09.2026, 21:48
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Seit Generationen heißt es, früher sei alles besser gewesen. Vor allem über die Jugend wurde schon immer geklagt: zu faul, zu frech, zu lasterhaft. Neu an der aktuellen Debatte ist aber ein anderer Vorwurf: Menschen würden nicht nur anders leben, sondern tatsächlich dümmer werden.

In der "Krone" entwirft Wissenschaftsexperte Christian Mähr dazu einen Erklärungsversuch. Der Ausgangspunkt ist eine harte These: Seit Jahrzehnten würden IQ-Werte sinken, gestützt auf verschiedene Massenmessungen. Zugespitzt heißt es im Text: "So blöd wie heute waren die Leute früher nicht."

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Bildschirmzeit im Verdacht

Als möglicher Hinweis wird eine große amerikanische Studie genannt, die den späteren "Lebenserfolg" von Menschen mit ihrem Fernsehkonsum in der Kindheit in Verbindung brachte. Demnach hätten es Vielseher später angeblich weniger weit gebracht als Kinder ohne viel TV-Zeit – unabhängig davon, was genau sie sahen.

Der Autor räumt dabei selbst ein, dass Beispiele aus dem eigenen Leben nur begrenzt taugen. Sein Klassenprimus hatte daheim keinen Fernseher und wurde später Professor. Er nennt das ausdrücklich "anekdotische Evidenz" – also eine Beobachtung, die zwar einprägsam ist, aber keinen Beweis liefert.

Wichtig ist auch: Die erwähnte Studie maß laut Text nicht die Intelligenz, sondern Erfolg im Leben. Mähr spricht dabei von "Lebenstüchtigkeit". Und er betont, dass auch wenig intelligente Menschen hohe gesellschaftliche Positionen erreichen können – etwa durch Herkunft, Kontakte oder "Vitamin B".

Vom TV zum Handy

Heute geht es längst nicht mehr nur um Fernsehen. Der Bildschirm ist nicht mehr das Gerät im Wohnzimmer, sondern steckt in der Hosentasche. Viele Menschen starren so lange auf ihr Handy, bis der Nacken schmerzt.

Die große Frage lautet daher: Warum sollte bloßes Schauen auf einen Bildschirm überhaupt Auswirkungen auf geistige Fähigkeiten haben?

Hier verlässt der Autor ausdrücklich den Boden einer genannten Studie und entwickelt eine eigene These. Dafür blickt er weit zurück: In der Frühzeit des Menschen sei der Gesichtssinn entscheidend fürs Überleben gewesen. Besonders wichtig sei gewesen, in einem kleinen Ausschnitt des Sichtfeldes Gefahr zu erkennen – etwa ein Raubtier im Gebüsch.

Kleiner Ausschnitt, große Wirkung

Mährs Gedanke: Die Fähigkeit, kleine Bildausschnitte besonders intensiv zu beobachten, könnte tief in uns angelegt sein. Früher konnte sie über Leben und Tod entscheiden. Heute füllt diesen Ausschnitt kein Raubtier mehr, sondern ein Handyvideo.

Genau darin sieht der Autor das Problem. Das Gehirn werde von bewegten Reizen im kleinen Sichtfeld gefesselt. Was früher nützlich war, könne unter modernen Bedingungen nutzlos oder sogar hinderlich werden.

Seine Zuspitzung: Wenn das Gehirn ständig auf solche Reize fokussiert ist, könnten andere Fähigkeiten leiden – etwa abstraktes Denken oder das Erkennen komplizierter Muster. Genau solche Leistungen werden in IQ-Tests oft abgefragt.

These bleibt ein Erklärungsversuch

Belegt ist diese konkrete Erklärung im Ausgangstext nicht durch eine eigene Studie. Der Autor macht klar, dass sie ihm selbst eingefallen sei. Damit bleibt sie eine These – provokant, anschaulich, aber nicht abschließend bewiesen.

Am Ende steht dennoch eine Diagnose, die vielen vertraut vorkommen dürfte: Das Handy zieht Aufmerksamkeit an, weil es genau jene Mechanismen reizt, die Menschen seit Urzeiten auf Bewegung und Gefahr trainiert haben könnten. Nur dass heute kein Säbelzahntiger lauert, sondern das nächste "idiotische Handyfilmchen".

{title && {title} } red, {title && {title} } 06.09.2026, 21:48