Tausende suchen Hilfe

Kein Geld für Miete und Essen – Caritas alarmiert

Die Preise steigen, das Geld reicht kaum noch: 44.000 Menschen suchten im Vorjahr Hilfe bei der Caritas. Jetzt warnt sie vor Sozialhilfe-Kürzungen.
15.10.2026, 14:22
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Die Preise steigen, das Geld wird knapp – und für immer mehr Menschen wird der Alltag zum finanziellen Kraftakt. Ob beim Einkaufen, bei der Miete oder beim Heizen: Die Teuerung bringt viele Haushalte an ihre Grenzen. Die Caritas schlägt nun Alarm und fordert von der Bundesregierung konkrete Maßnahmen gegen Armut. Die Zahlen aus der eigenen Sozialberatung zeigen, wie dringend Hilfe gebraucht wird.

44.000 Menschen suchten Hilfe

Im Vorjahr wandten sich österreichweit rund 44.000 Menschen an die Sozialberatung der Caritas. Rechnet man ihre Familien und Angehörigen dazu, unterstützte die Organisation rund 92.000 Menschen. An insgesamt 68 Standorten erhalten Betroffene Beratung und finanzielle Überbrückungshilfen.

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Besonders häufig geht es um grundlegende Bedürfnisse: Bei 85 Prozent der Hilfesuchenden standen Wohnen und Energie im Mittelpunkt. "Wohn- und Energiekosten sind für zu viele Menschen zur Existenzfrage geworden", erklärt Doris Anzengruber, Leiterin der Sozialberatungsstellen in Wien.

Viele hätten bereits sämtliche finanziellen Reserven aufgebraucht. Gleichzeitig drohten Kürzungen bei sozialen Unterstützungsleistungen. Für Anzengruber ist klar: "Diese Rechnung kann sich nicht ausgehen."

"Warteschlangen sind länger geworden"

Wie dramatisch die Situation für viele Betroffene ist, zeigt sich laut Caritas auch vor den Lebensmittelausgabestellen. "Wir messen die Inflation nicht in Prozenten, sondern in meterlangen Warteschlangen vor unseren Lebensmittelausgabestellen. Und diese Schlangen sind in den vergangenen Jahren länger geworden", sagt Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich.

Nach offiziellen Daten der Statistik Austria leben 261.000 Menschen in Österreich in absoluter Armut. Fast jeder Fünfte ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Besonders betroffen sind Mindestpensionisten, Alleinerziehende und Kinder.

Tödtling-Musenbichler warnt: "Für viele Menschen ist unser Sozialstaat nicht mehr armutsfest. Armut hat sich nach Jahren der Krise auf hohem Niveau verfestigt."

Caritas warnt vor Kürzungen bei der Sozialhilfe

Die Bundesregierung habe einen "Herbst der Ergebnisse" angekündigt. Die Caritas fordert, diesen für eine Reform der Sozialhilfe zu nutzen, die Menschen tatsächlich vor Armut schützt. Denn die Sozialhilfe sei das letzte soziale Netz – und drohe zunehmend zu versagen.

"Der Winter steht vor der Tür – eine Zeit, in der Heizkosten viele Menschen zusätzlich unter Druck setzen", so Tödtling-Musenbichler. Ihr Appell an die Bundesregierung: "Übernehmen sie jetzt Verantwortung und schließen Sie Lücken, statt neue aufzureißen. Stärken Sie das soziale Netz, statt es zu schwächen."

Besonders kritisch sieht die Caritas die geplanten Änderungen für Familien. Die Regierung habe sich zum Ziel gesetzt, Kinderarmut in Österreich zu halbieren. Eine Reform der Sozialhilfe sei dafür eine wichtige Chance. Doch laut Tödtling-Musenbichler drohe dieses Ziel mit den derzeit geplanten Änderungen verfehlt zu werden.

Diskutiert werden demnach Kürzungen von bis zu 400 Euro pro Person. Auch für Kinder könnten sich die Leistungen verschlechtern. Niedrige Kinderrichtsätze oder Kürzungen von Familienleistungen für Menschen, die Sozialhilfe beziehen, würden die Situation zusätzlich verschärfen.

Caritas fordert Aktionsplan für leistbares Wohnen

Neben der Sozialhilfe sieht die Caritas vor allem beim Wohnen dringenden Handlungsbedarf. Caritasdirektor Klaus Schwertner bezeichnet leistbares Wohnen als "eine der wesentlichen Gerechtigkeitsfragen unserer Zeit".

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Die Bundesregierung habe mit dem Mietenpaket, dem Sozialtarif bei Strom und der Verlängerung des Wohnschirms bereits wichtige Schritte gesetzt. Nun brauche es weitere Maßnahmen. Die Forderungen der Caritas umfassen einen nationalen Aktionsplan für leistbares Wohnen, eine Zweckwidmung der Wohnbauförderung und transparente Zugangskriterien für den sozialen Wohnbau.

Zudem spricht sich Schwertner für einen wirksameren Mietpreisdeckel und eine Entlastung bei den Heizkosten aus, solange die Preise weiter steigen. "Die Wohnkrise ist kein Naturgesetz. Sie kann politisch gelöst werden", betont der Caritasdirektor.

Caritas bittet um Spenden

Die Caritas unterstützt Menschen in finanziellen Notlagen unter anderem mit Beratung, Lebensmitteln, warmen Mahlzeiten und Notschlafstellen. Auch Familien, die durch Krankheit oder den plötzlichen Wegfall ihres Einkommens in Schwierigkeiten geraten, erhalten Hilfe.

Die Organisation ist nach eigenen Angaben auf Unterstützung angewiesen. "Wir helfen vielfach dort, wo Menschen von staatlichen Unterstützungssystemen im Stich gelassen werden. Wir können dies jedoch nur deshalb, weil uns sehr viele Menschen unterstützen – mit ihrer Zeit oder mit einer Spende", sagt Tödtling-Musenbichler. Wer Hilfe benötigt, findet Informationen bei der Online-Sozialberatung der Caritas.

red, 15.10.2026, 14:22