Preise explodieren

"Kein Geld mehr" – Russen verzweifeln in Supermärkten

Lebensmittel werden in Russland immer teurer. Zwei Supermarkt-Mitarbeiterinnen zeigen die Preissprünge. Im Netz machen die Menschen ihrem Ärger Luft.
26.10.2026, 09:58
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Ein Einkauf im Supermarkt wird für viele Menschen in Russland zunehmend zur finanziellen Belastung. In den sozialen Netzwerken berichten Betroffene, dass sie sich selbst alltägliche Lebensmittel kaum noch leisten können. Manche vergleichen den Gang durch die Geschäfte bereits mit einem Museumsbesuch.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhält derzeit ein Video aus Sotschi. Darin zeigen zwei Supermarkt-Mitarbeiterinnen, wie stark die Preise für Lebensmittel nach den Wahlen Ende September gestiegen sein sollen.

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Preisschilder plötzlich deutlich höher

Die 36-jährige Bloggerin Swetlana Ischilenko arbeitet in einer russischen Supermarktkette. Gemeinsam mit einer Kollegin dokumentierte sie auf Instagram, wie zahlreiche Waren neue Preisschilder erhielten.

"Heute sind wir schon den ganzen Morgen in Schockstarre. Wir müssen jede Menge Preisschilder ändern. Die Wahlen sind vorbei, jetzt kosten alle Lebensmittel mehr", erklärt sie. Die im Video gezeigten Preisänderungen sollen zwischen 18 und 33 Prozent betragen. Laut dem Beitrag erfolgten diese Erhöhungen innerhalb eines einzigen Tages.

Das Video verbreitete sich rasant. Mehr als 5,8 Millionen Menschen sahen sich den Beitrag an, rund 185.000 Nutzer reagierten mit einem Like.

"Einkaufen wie in einem Museum"

Unter dem Video melden sich zahlreiche Menschen aus verschiedenen Teilen Russlands zu Wort. Ihre Kommentare zeigen, wie sehr die steigenden Lebenshaltungskosten viele Haushalte beschäftigen.

"Wir gehen mittlerweile einkaufen wie in einem Museum. Es ist peinlich, jemandem unseren Einkaufskorb zu zeigen", schreibt ein Nutzer. Ein anderer befürchtet, dass sich die Lage weiter verschlechtern könnte: "Zumindest kaufen wir jetzt noch etwas. Aber bald werden wir nur noch schauen".

Besonders drastisch schildert ein weiterer Nutzer seine finanzielle Situation: "Ich gehe eigentlich überhaupt nicht mehr einkaufen, ich habe kein Geld für diesen Luxus. Ich esse, was im Garten wächst. Und wenn ich Lust auf Obst oder irgendeinen anderen Kram habe, dann essen wir es nur von den Bildern."

Kritik an Putin wird lauter

Neben den hohen Preisen sorgt auch die politische Situation für Diskussionen. Einige Kommentatoren machen ihrem Unmut über die russische Führung Luft. Ein Nutzer spielt auf die Kremlpartei Einiges Russland an und spricht stattdessen von einem "Hungriges Russland".

Ein anderer schreibt: "Man hat unser Land verkauft". Besonders aufsehenerregend ist das Eingeständnis eines Kommentators: "Ich beginne zu stehlen." Darauf reagiert ein weiterer Nutzer mit den Worten: "Ich entschuldige mich gleich für alle, die im Supermarkt klauen werden. Das soll alles der ,große Herrscher‘ klären."

Die Aussagen spiegeln die Wut einzelner Nutzer wider. Wie verbreitet diese Stimmung in der russischen Bevölkerung insgesamt ist, lässt sich aus den Kommentaren nicht ableiten.

Nach Video verlieren Frauen ihre Jobs

Für die beiden Supermarkt-Mitarbeiterinnen blieb die Veröffentlichung offenbar nicht ohne Konsequenzen. In einem weiteren Instagram-Video berichtet Ischilenko, dass sowohl sie als auch ihre Kollegin ihren Arbeitsplatz verloren hätten.

Nach ihrer Darstellung befürchtete das Unternehmen, dass die öffentliche Kritik an den Preissteigerungen seinem Ruf schaden könnte.

"Die Firma hatte solche Angst, dass eine Bloggerin den Ruf des Unternehmens ruinieren könnte. Als ob ich diese Preisschilder geändert hätte … Versteht ihr die ganze Absurdität der Situation? Zwei Frauen wegen des Satzes ,Die Wahlen sind vorbei – die Preise sind gestiegen‘ zu feuern", sagt sie.

Damit hat die Veröffentlichung für die beiden Frauen nach eigenen Angaben nicht nur Aufmerksamkeit im Netz, sondern auch den Verlust ihrer Jobs gebracht.

wil, 26.10.2026, 09:58