FAFO-Methode

Kein Gentle Parenting: So erzieht die Gen Z ihre Kinder

In sozialen Medien wird eine neue Erziehungsmethode beliebt. Mit "FAFO" sollen Kinder durch die Folgen ihrer Taten lernen. Eine Expertin warnt davor.
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11.11.2025, 21:16
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Jeden Tag ewig lange Diskussionen über die richtige Kleidung, das Aufräumen oder jenes Gemüse, das das Kind heute wieder einmal nicht essen will. Für viele Eltern gehört das zum Alltag. Die junge Generation hat eine radikale Lösung für die ermüdenden Dauerdebatten gefunden.

Das Kind will die scharfe Paprika essen, auch nach der fünften Verwarnung? "Soll es doch." Ein anderes will ohne Jacke in den strömenden Regen? "Dann wird ihm halt kalt."

Die Gen Z setzt auf die "FAFO"-Methode – kurz für "Fuck Around and Find Out". Die Idee dahinter: Kinder sollen selbst ausprobieren, Fehler machen und deren Konsequenzen tragen und eben daraus lernen. Wer nie hinfällt, lernt schließlich auch nicht, wieder aufzustehen, ist das Motto.

FAFO-Methode: Lernen durch Konsequenzen

Jede Generation erzieht anders. Früher hieß es: streng und kontrolliert. Die Eltern waren die absolute Autorität. Dann kamen die Helikoptereltern, die ihren Kindern jeden Stein aus dem Weg räumten und ständig in der Nähe waren – aus Sorge, dass etwas schiefgehen könnte. Auch Gentle Parenting war und ist immer noch ein beliebtes Konzept, bei dem Eltern auf Geduld, Respekt und Verständnis setzen.

Mit FAFO folgt die neueste Erziehungsmethode. Besonders in den sozialen Medien geht diese momentan viral. Junge Eltern zeigen, wie sie ihre Kinder in gewissen Situationen einfach einmal machen lassen. Sie mischen sich weniger ein, vertrauen darauf, dass Erfahrungen – auch schlechte – wichtig sind.

Während Helikoptereltern ständig eingreifen wollten oder Gentle-Parenting-Anhänger sich langen Diskussionen oder Wutanfällen hingegeben hätten, lehnen FAFO-Eltern sich zurück und sagen: "Probier's aus, dann wirst du schon sehen."

"Das Kind trägt die Verantwortung, nicht die Eltern"

Doch wie pädagogisch sinnvoll ist dieses Konzept? Expertin Susanna Fischer, Dipl. Sozialpädagogin und Leiterin der Familienpraxis Stadelhofen in Zürich, sagt gegenüber "20 Minuten":

FAFO erinnert sie an alte autoritäre Muster. "Dahinter steckt die Idee, dass Schmerz und Misserfolg einen Menschen lehren. Das ist pädagogisch längst überholt." Besonders kritisch sieht sie, dass sich Eltern damit ihrer Aufgabe entziehen. "Das Kind trägt die Verantwortung, nicht die Eltern: Mach, was du willst – die Folgen werden dich schon erziehen", sagt sie. So funktioniere Erziehung nicht.

Die Pädagogin sieht den Trend als Gegenbewegung zur bedürfnisorientierten Erziehung, bei der Eltern stark auf die Gefühle und Wünsche ihrer Kinder eingehen. "Viele Eltern haben dabei vergessen, dass sie trotzdem die Führung behalten müssen", erklärt die Pädagogin. Daher sei der Wandel zur FAFO-Methode typisch.

Laut Fischer ist diese Erziehungsform in Österreich jedoch nicht verbreitet. Es handle sich dabei um ein Social-Media-Phänomen.

"FAFO überfordert Kinder"

Dass Kinder eigene Erfahrungen machen dürfen, findet die Expertin grundsätzlich wichtig – aber nur, wenn sie entwicklungsadäquat sind. Von echter Selbstständigkeit könne bei der FAFO-Methode aber keine Rede sein. "Diese Form der Erziehung überfordert Kinder", warnt Fischer. "Sie machen schmerzliche, erniedrigende Erfahrungen und lernen dabei nicht, dass sie etwas können – sondern dass sie nicht genügen."

Erziehung bedeute für sie etwas anderes: "Kinder brauchen von Anfang an eine sichere Bindung, liebevolle Begleitung und klare Orientierung. Nur so lernen sie, selbstbewusst eigene Erfahrungen zu machen – ohne Angst, fallen gelassen zu werden."

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