Mutter muss Job aufgeben

Kein Kindergarten-Platz für Kind mit Down-Syndrom

Ein Bub mit Downsyndrom findet in Wien keinen Kindergartenplatz. Seine Mutter kämpft verzweifelt – und verliert am Ende alles, sogar ihren Job.
Newsdesk Heute
24.10.2025, 21:47
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Valerie Schmeiser wollte ihren Sohn Emil wie jedes andere Kind in den Kindergarten schicken. Doch sie bekam nur Absagen. "Die MA10 hat mir gesagt, dass es generell zu wenig Integrationsplätze gibt und schon gar keine für Zweijährige", erzählte sie im ORF.

Dann kam der Satz, der sie fassungslos machte: "Wir brauchen uns bis zum verpflichtenden Kindergartenjahr, wenn die Kinder fünf sind, gar nicht mehr melden." Emil war damals eineinhalb. "Das heißt, wir hatten dreieinhalb Jahre Lücke", so Schmeiser.

"Wenn er sich eh nicht so behindert verhält"

Die Mutter wollte sich nicht geschlagen geben, drängte auf eine neue Prüfung. Doch was sie dann hörte, traf sie tief. "Ich soll mit ihm kommen, wenn er ausgeschlafen, gut gelaunt und satt ist. Wenn er sich dann eh nicht so behindert verhält, dann hat er eventuell Chancen auf einen normalen Platz", erzählte sie weiter.

Für Valerie Schmeiser war klar: "Das mache ich nicht mit." Sie musste ihren Job aufgeben, um ihren Sohn selbst zu betreuen – weil die Stadt keinen Platz für ihn fand.

1.512 Kinder ohne Platz

Ein Jahr lang suchte Schmeiser weiter – vergeblich. Erst ein privater Kindergarten erklärte sich bereit, Emil aufzunehmen. Doch dort gibt es kein geschultes Personal. In Wien warten 1.512 Kinder mit Behinderung auf einen Kindergartenplatz. Viele Familien wissen nicht mehr weiter.

Grüne sprechen von "Skandal"

"Das widerspricht allen Behindertenrechtskonventionen", sagte Judith Pühringer (Grüne). "Ich finde es schlicht einen Skandal, dass man Kinder mit Behinderung und ihre Eltern so alleine lässt." Die Grünen fordern mehr Fachkräfte und bessere Arbeitsbedingungen. Zwar gibt es eine Kompetenzstelle für Inklusion, doch spürbare Verbesserungen seien ausgeblieben.

"Man verkauft sein Kind"

"Man ist permanent damit beschäftigt, sein Kind so gut wie möglich zu verkaufen", schilderte Schmeiser. Viele Eltern versuchten, ihre Kinder "so unbehindert wie möglich" wirken zu lassen, um eine Chance auf Betreuung zu haben.

Emil musste inzwischen erneut den Kindergarten wechseln – wieder privat, wieder Glückssache. "Statt Glück hätte ich lieber einen Rechtsanspruch", sagt Valerie Schmeiser.

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