Vor mehreren Wochen wurden die ersten Fälle bekannt, seitdem weitet sich der Skandal immer weiter aus. In mehreren "SOS-Kinderdörfern" (Imst, Moosburg, Eugendorf) sollen Betreuer die Schützlinge körperlich misshandelt (etwa geschlagen und eingesperrt) haben. Zuletzt wurden auch Vorwürfe laut, die Leitung habe zu spät oder nicht ausreichend reagiert.
Kinderdörfer-Aufsichtsrat Willibald Cernko wählt im "ZiB 2"-Interview zumindst anfangs einen ungewöhnlichen Ansatz. Danach gefragt, seit wann er Bescheid weiß, erklärte er stattdessen einleitend Allgemeines über SOS-Kinderdörfer. Die Studie, durch die die Vorwürfe zutage gefördert wurde, gibt es jedenfalls seit 2020. Unmittelbar danach sei mit der Aufarbeitung begonnen worden. "SOS-Kinderdorf von heute sieht komplett anders aus als vor 2020."
Die Geschäftsleitung habe hier einen Schlussstrich gezogen, Externe hinzugezogen, einen Maßnahmenkatalog erarbeitet und umgesetzt. Auch der Aufsichtsrat soll jetzt mit mehr Expertise ausgestattet werden. Konsequenzen für die Geschäftsführung werden von den Ergebnissen der Untersuchungskommission abhängig gemacht.
"Dieses alte, traditionelle Kinderdorf-Bild, dieses geschlossene System, das gibt es heute nicht mehr", hält Cernko fest. Abseits von Mossburg und Imst gibt es keine weiteren Studien, allerdings soll die Kommission andere Standorte ebenso unter die Lupe nehmen. "Wir wollen vollkommene Transparenz haben."