Erst vor Kurzem sprach sich VP-Wien-Obmann Markus Figl erneut für die Sonntagsöffnung in der Wiener City aus. Touristen würden vor geschlossenen Geschäften stehen, während online alles 24/7 offen habe. Gegenwind kommt nun von der City-SPÖ und Vize-Bezirksvorsteherin Lucia Grabetz. Die Bezirks-SPÖ will eine weitere Ausweitung der Ladenöffnungszeiten verhindern.
In der Sitzung der Bezirksvertretung am Donnerstag (17.9.) bringt die SPÖ deshalb einen Resolutionsantrag ein. Bundesregierung und Stadt Wien werden darin aufgefordert, die Sonntagsruhe für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schützen. "Der Landeshauptmann wird aufgefordert dafür Sorge zu tragen, dass die in der Wiener Öffnungszeitenverordnung 2003 geregelten Öffnungszeiten nicht ausgeweitet werden", heißt es in der Resolution.
"Der Sonntag darf nicht zum ganz normalen Einkaufstag werden. Menschen brauchen gemeinsame Zeit für Familie, Freundschaften, Erholung und gesellschaftliches Engagement", erklärt SP-Vize-Bezirksvorsteherin Lucia Grabetz. "Genau deshalb verteidigen wir die Sonntagsruhe."
Im Stadtzentrum von Wien sei die Sonntagsruhe auch für die Lebensqualität der Bewohner wichtig. Der erste Bezirk ist stark von Tourismus, Handel und Gastronomie geprägt. Ein Tag mit weniger Einkaufsverkehr, Lärm und Trubel sei deshalb besonders wichtig.
Für die Beschäftigten im Handel ist ein gemeinsamer freier Tag von besonderem Wert, so die City-SPÖ. "Familienleben, Freundschaften, Vereinsleben und gesellschaftliches Engagement werden gerade dadurch ermöglicht, dass ein großer Teil der Gesellschaft gleichzeitig frei hat." Die Sonntagsöffnung sei wirtschaftlich "kein Allheilmittel". Längere Öffnungszeiten würden nicht automatisch zusätzliche Kaufkraft oder entsprechend höhere Umsätze bedeuten.
Grabetz warnt zudem davor, dass eine Sonntagsöffnung kleine Händler stärker treffen könnte als große Ketten. Zusätzliche Öffnungszeiten würden schließlich auch mehr Personal- und Betriebskosten bedeuten.
"Gerade im 1. Bezirk wollen wir die Vielfalt unserer Einkaufsstraßen und Bummelrouten erhalten", sagt Grabetz. Kleine Geschäfte etwa in der Wollzeile sollten nicht in einen Wettbewerb darüber gedrängt werden, "wer es sich leisten kann, noch einen weiteren Tag in der Woche offenzuhalten".
Der freie Sonntag ist laut SPÖ eine soziale Errungenschaft und hat für Religionsgemeinschaften eine besondere Bedeutung. "Wer sich auf christlich-soziale Werte beruft, muss erklären, warum ausgerechnet bei der Sonntagsruhe eine weitere Liberalisierung notwendig sein soll."
Nicht jeder Tag müsse dem Konsum untergeordnet sein. "Wirtschaftspolitik muss die Interessen der Beschäftigten, der kleinen Unternehmen und der Menschen, die hier leben, gleichermaßen berücksichtigen", so Grabetz. "Sonntag muss Sonntag bleiben."