Jenes Tier aus Gopprechts bei Litschau (Bezirk Gmünd, NÖ) zeigte in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember 2025 plötzlich schwere gesundheitliche Probleme. In den Stunden darauf habe sich der Zustand dramatisch verschlechtert. Am Morgen des Heiligabends konnte das Pferd laut Besitzer nicht mehr aufstehen. Das berichten die "NÖN".
Der Halter nahm Kontakt mit über einem Dutzend Tierärzten auf – ohne Erfolg. "Bei manchen Tierärzten hieß es, dass sie keine Ordination haben oder nur für Kleintiere zuständig sind. Andere sagten, sie sind krank", berichtete der enttäuschte Pferdebesitzer. Besonders bitter: "So konnte ich das Tier nicht einmal einschläfern lassen." Das Pferd musste offenbar unnötig leiden. Laut "NÖN" verendete es schließlich am 25. Dezember.
Der Schicksalsschlag des zu Weihnachten verstorbenen Tiers ist leider kein Einzelfall. Auch bei "Heute" meldet sich die Pferdebesitzerin Andrea aus dem Bezirk Gmünd, welche die Hoffnung auf Tierarzthilfe langsam verliert: "Ich habe selbst drei Pferde und weiß, wie oft die Tiere Koliken bekommen. Das kann ganz schnell gehen! Wenn ein Pferd kolikt, müsste man sofort den Tierarzt rufen und hoffen, dass er auch kommt."
Auch Andrea musste lernen, dass Tierärzte an Feiertagen und Wochenenden nicht verfügbar sind. "Das sind dann fadenscheinige Ausreden, dass der Tierarzt seine Praxis nicht verlassen kann, oder dass ihm die 30 Kilometer zur Pferdekoppel zu weit sind und er nicht losfahren will. Die Erstversorgung muss aber auf der Koppel passieren, und wenn es nur eine Schmerzspritze ist!"
Die Tierfreundin hat sich selbst beigebracht, wie sie ihre Pferde behandelt, wenn es zu Koliken kommt. Auf Tierärzte in der Umgebung kann sie sich nicht verlassen: "Ich will meine Pferde hier nicht zeigen. Da habe ich zu viel Angst, dass Tierärzte mich im Artikel erkennen und mir deshalb in Zukunft die Behandlung verweigern!"
Andrea fürchtet ein Problem, das immer mehr Leute betrifft. Es gebe im Waldviertel dank der schönen Landschaft immer mehr Pferdebesitzer, auch teure Sportpferde zählen dazu. Eine weitere Pferdebesitzerin ist Andreas Bekannte. Zu Pfingsten 2025 hatte ihr Pferd Koliken.
Andrea: "Das war schlimm! Meine Freundin hat wirklich zwölf verschiedene Tierärzte angerufen und gefleht, dass sich jemand das Tier anschaut oder zumindest eine Schmerzspritze gibt. Aber nichts da. Das Tier hat sich zwei Tage lang auf der Koppel am Boden gewälzt vor Schmerzen. Dann ist es qualvoll und elendig verstorben."
Andrea fordert eine verlässliche und gesicherte Versorgung ihrer drei Pferde, ganz gleich ob Wochenende oder Feiertag. "Ja, die Wahrscheinlichkeit einer Tierversorgung ist an einem Dienstag höher als am Sonntag. Aber richtig stützen kann ich mich darauf nicht. Wer weiß, ob ich im Notfall einen behandelnden Tierarzt finde."
Die Kritik der mangelhaften und ungesicherten Tierversorgung weist ein Vertreter der Tierärzte jedoch entschieden zurück. Bernhard Kammerer, Präsident der NÖ Tierärztekammer, erklärt gegenüber den "NÖN": "Es handelt sich um einen freien Beruf und kein Tierarzt kann zu einem Wochenend- oder Feiertagsdienst verpflichtet werden."
Ein Bereitschaftsdienst könne, wenn überhaupt, nur auf freiwilliger Basis organisiert werden. Zudem sei grundsätzlich der Haustierarzt erste Anlaufstelle. "Mir sind sonst landesweit keine ähnlichen Probleme bekannt", betont Kammerer. "Ein mutwilliges Wegsehen und Nicht-Wahrhaben-Wollen der Realität", bezeichnet Pferdebesitzerin Andrea diese Aussage.
Auch Tierschutz Austria sieht strukturelle Schwierigkeiten. In ländlichen Regionen sei eine rasche Versorgung nicht immer gewährleistet, erklärt Stephan Scheidl von Tierschutz Austria in den "NÖN". Pferdemedizin sei ein hochspezialisiertes Gebiet. "Nicht jeder Nutztiermediziner betreut auch Pferde", so Scheidl. Zudem seien die Behandlungsmöglichkeiten im Stall begrenzt, weshalb oft nur der Transport in eine Klinik bleibe.