Naherholungsgebiet

Neues Großprojekt – Südsee-Feeling in St. Pölten

Freizeitspaß und gleichzeitig ökologischer Nutzen und Hochwasserschutz: Die SP mit Stadtchef Stadler verfolgt mit dem "Südsee" einen ehrgeizigen Plan.
Erich Wessely
12.01.2026, 16:42
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Tahiti, Fidschi-Inseln: Auch in St. Pölten träumt man von einem Erholungsparadies, dem "Südsee" im Süden der Stadt. Bürgermeister Matthias Stadler (SP) setzt sich seit Jahren für das Großprojekt ein, am Montag gab es – auch im Zuge des Gemeinderatswahlkampfes – ein Update: Der "Südsee", etwas kleiner als der Viehofner See angelegt, soll sich natürlich entwickeln und zudem positiv auf das regionale Klima auswirken.

"Die Pläne sind in den Grundzügen erarbeitet, jetzt prüfen wir alle Aspekte", so Stadler. Der geplante Hochwasserschutz bringe doppelten Zusatznutzen, die Renaturierung der Traisen und einen "Südsee". Noch gibt es wasserrechtliche Prüfungen, zudem laufen Gespräche mit Grundstücksbesitzern, um mehr Fläche zu haben.

"Über weite Strecken zu stark reguliert"

Hintergrund der Überlegungen: "Die Traisen ist über weite Strecken zu stark reguliert. Sie hat eine gute Wasserqualität, fließt aber weitgehend entkoppelt vom umgebenden Ökosystem", so Hannes Gabriel, Hydrologe und Geschäftsführer von DonauConsult. Die Folgen: Neben einem stark eingeschränkten Lebensraum ein nur geringes Rückhaltevermögen bei Hochwasser.

Nachhaltige Abhilfe könne eine großzügige Aufweitung des Bettes der Traisen im sogenannten "Altmannsdorfer Bogen" schaffen. Bürgermeister Stadler treibt das Projekt voran: "Damit haben wir hier nicht nur die Chance, dass die Gefährdung durch Hochwasser der Traisen verringert wird, es können hier auch naturnahe Bereiche geschaffen werden, die dem Wasser ebenso Raum geben wie den St. Pöltnerinnen und St. Pöltnern. Viele Erhebungen und Vormaßnahmen waren dazu nötig. Ein entsprechendes Update zu den 2020 präsentierten Plänen für das auf 10 bis 15 Jahre angesetzte Projekt Südsee kann nun gegeben werden."

Zustand wie vor der Regulierung

Von der Ochsenburger Brücke bis zumindest zum Windpassinger Steg soll die Traisen wieder annähernd jenen 200 bis 300 Meter breiten Korridor als Spielraum für ihre natürliche Entwicklung bekommen, den sie vor ihrer Regulierung um 1910 hatte. Die bestehenden Sohlstufen können in der Folge rückgebaut und das für die ökologische Funktionsfähigkeit maßgebliche Fließkontinuum (Durchgängigkeit) mit einem dynamischen Gewässerbett wiederhergestellt werden.

Bei diesen Revitalisierungsmaßnahmen spielen die EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie die 2024 in Kraft getretene EU-Renaturierungsverordnung wesentliche Rollen – nicht zuletzt aufgrund der dadurch möglichen Mitfinanzierung durch EU, Bund und Land Niederösterreich.

Südsee-Feeling in St. Pölten: Erste Entwürfe
Illustration: M. Zog

Weiter nördlich ist eine großflächige und tief reichende Geländeabsenkung geplant, welche bei Hochwasser zusätzliches Rückhaltevolumen bieten soll. Dabei werden Sohle und Böschungen der Absenkung so gestaltet – und der hier entstehende "Südsee" soll künftig auch für Erholungszwecke genutzt werden.

Hydrologische und naturschutzfachliche Gutachten

Jetzt gelte es, hydrologische und naturschutzfachliche Gutachten einzuholen und im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung die erforderlichen wasser- und naturschutzrechtlichen Bewilligungen zu erlangen. Vor allem müsse sichergestellt sein, dass jegliche nachteilige Auswirkung auf die Qualität des Grund- bzw. Trinkwassers auszuschließen ist. Zusätzlich sind Gespräche mit den Grundeigentümern vor Ort zu führen.

Im Zuge der wasserrechtlichen Verhandlung zum Projekt "NÖ Central II" im August 2024 wurden Ergänzungen, insbesondere zur Darstellung der Grundwasserverhältnisse, gefordert. Dafür wurde ein Grundwassermessnetz eingerichtet und über ein Jahr hinweg beobachtet. Auf Basis dieser Daten sowie der Erkenntnisse aus dem Hochwasser im September 2024 wurde das Projekt überarbeitet und wird in Kürze der Behörde vorgelegt.

"Erhebliche Schäden"

Experte Hannes Gabriel: "Hydraulische Nachrechnungen zeigten, dass beim Hochwasser 2024 rund 98 % des Abflusses über die Traisen und den primären Vorlandabflussraum erfolgten, nur 2 % über westlich gelegene Flächen. Trotz des geringen Anteils kam es dort zu erheblichen Schäden. Diese Schäden können künftig durch die Anhebung eines Wirtschaftsweges verhindert werden, ohne die Abflussverhältnisse unzulässig zu verändern. Die erforderlichen Nachweise liegen vor und sollen im Jänner im Bewilligungsverfahren eingereicht werden."

"Die Maßnahme ermöglicht den Schutz landwirtschaftlicher Flächen sowie mehrerer Wohn- und Wirtschaftsobjekte, verbessert die Erreichbarkeit bei Extremhochwasser, reduziert Grundwasseranstiege in Siedlungsnähe und schafft eine klare Abgrenzung des primären Vorlandabflussraumes der Traisen", ist Matthias Stadler überzeugt.

{title && {title} } wes, {title && {title} } Akt. 12.01.2026, 16:45, 12.01.2026, 16:42
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