Jagd Österreich und die Österreichische Wildtierstiftung sprechen sich gegen die von der Europäischen Union vorgesehene Tötung von Sikawild in Österreich aus. Die beiden Organisationen unterstützen die heimischen Farmwildhalter und fordern Ausnahmeregelungen, um die Bestände in Österreich zu erhalten.
Hintergrund ist eine EU-Verordnung, wonach Sikawild als invasive Art eingestuft wurde. Bis zum Sommer 2027 sollen die Tiere demnach aus den Mitgliedstaaten entfernt werden. Nach Angaben von Jagd Österreich wären davon rund 250 Farmwildbetriebe in Österreich betroffen. Viele dieser Betriebe würden ihre Existenz auf der extensiven Haltung von Sikawild aufbauen und hochwertiges Wildfleisch für Gastronomie und regionale Vermarktung produzieren.
Max Mayr-Melnhof, Präsident der Österreichischen Wildtierstiftung und Salzburger Landesjägermeister, kritisiert die geplanten Maßnahmen scharf. Die jahrzehntelange Arbeit der Betriebe werde durch eine aus seiner Sicht nicht nachvollziehbare Entscheidung zunichtegemacht. Er verweist darauf, dass Probleme mit einer möglichen Vermischung von Sika- und Rotwild in anderen europäischen Ländern nicht dadurch gelöst werden, dass eingezäunte Bestände in Österreich getötet werden. Als Vergleich nennt er Tiere in Zoos oder Wildparks, die ebenfalls ausbrechen könnten, ohne dass deshalb deren vollständige Beseitigung gefordert werde.
„Das Sikawild in Österreich ist auch Teil unserer jüngeren Geschichte und war nicht zuletzt ein diplomatisches Symbol unserer Freundschaft mit Japan und dem japanischen Kaiserhaus. Dass wir es jetzt ohne Not abschießen sollen, tut mir schirch“Anton LarcherJagd-Österreich-Präsident
Auch Jagd-Österreich-Präsident Anton Larcher lehnt die geplante Keulung ab. Seiner Ansicht nach stellt das Sikawild in Österreich keine ernsthafte Bedrohung für das heimische Rotwild dar. Freilebende Sikahirsche gebe es lediglich in zwei kleinen Populationen nahe den Donauauen. Zudem verweist Larcher auf die historische Bedeutung der Tiere: Die österreichischen Bestände gehen auf ein Geschenk des japanischen Kaiserhauses an Kaiser Franz Joseph zurück und seien damit auch Teil der jüngeren Geschichte Österreichs.
Nach Angaben von Jagd Österreich habe sich der Dachverband bereits im Vorfeld gegen die Aufnahme des Sikawildes in die Liste invasiver Arten auf nationaler und europäischer Ebene ausgesprochen. Man habe sich in entsprechenden Gremien gegen die Listung eingesetzt und den Austausch mit Behörden sowie Fachorganisationen gesucht. Kritisiert wird außerdem, dass die EU finanzielle Förderungen für die Entfernung freilebender Bestände vorsieht.
Jagd Österreich und die Österreichische Wildtierstiftung appellieren nun an die Europäische Kommission, Ausnahmen für Österreich zu ermöglichen. Gleichzeitig unterstützen sie Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig bei seinen Bemühungen um entsprechende Sonderregelungen. Zudem wollen die Landesjägermeister Anträge betroffener Betriebe unterstützen, sofern die gehaltenen Tiere dauerhaft und eindeutig mit Ohrmarken gekennzeichnet werden.