Trotz hoher Kosten

Keine "Gasfrei"-Prämie für Wiener, weil er ein Haus hat

Robert L. ließ um 30.000 Euro eine Wärmepumpe installieren, stieg gänzlich aus Gas aus. Trotzdem hat er keinen Anspruch auf eine Prämie.
Wien Heute
26.04.2026, 21:38
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Bis 2040 soll die Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle in der Wärmeversorgung Geschichte sein, 500.000 Gasthermen sollen umgerüstet werden. Dafür ist die Umstellung auf Fernwärme oder erneuerbare Energieträger notwendig. Mit dem Programm "Raus aus Gas" will die Stadt Wien diese Umstellung forcieren – etwa mit der sogenannten Dekarbonisierungsprämie.

Doch diese ist nicht für alle erhältlich – wie ein Fall in der ORF-Sendung "Bürgeranwalt" zeigt. Der ehemalige Allgemeinmediziner Robert L. lebt in einem kleinen Haus in Wien-Penzing – mitten im dicht verbauten Gebiet. 2025 beschloss er, seine beiden fast 30 Jahre alten Gasthermen nicht mehr warten bzw. reparieren zu lassen.

Umweltfreundliche Investition

"Das war für mich gesehen der richtige Augenblick, um bei der Investition zu schauen, dass diese umweltfreundlich ist", berichtet der Pensionist. Er entschied sich daher, sein Haus mit kleinem Garten mit einer Luftwärmepumpe auszustatten.

Im Außenbereich musste dafür ein stabiles Fundament errichtet werden, im Innenbereich mussten Teile der Küche für Kessel, Kompressor und Kondensator weichen. "Die Wärme, die hier entsteht, ist gleichzeitig wie eine Heizung. Damit vergeudet man auf keinen Fall irgendwelche Ressourcen", erklärt Robert L.

Förderung vom Bund ohne Probleme

Das gesamte Vorhaben kostete den Pensionisten rund 30.000 Euro: "Ich bekomme vom Bund eine Förderung in der Höhe von 7.500 Euro, dann gibt es noch einen Bonus, dass man über fünf Jahre jährlich 400 Euro steuerlich absetzen kann", berichtet der Ex-Mediziner.

Die Stadt Wien bietet zudem auch eine Dekarbonisierungsprämie in der Höhe von maximal 1.500 Euro an – doch diese gibt es nur für Eigentums-, Gemeinde-, Genossenschafts- und private Mietwohnungen. Nicht jedoch für Einfamilienhäuser.

Prämie nur für Wohnungen

"Ich sehe bei dieser Prämie ein Ungleichgewicht zwischen Eigentumswohnung und Haus. Ich habe das Haus damals von meiner Großmutter geerbt, es war schon damals nicht viel wert. Es ist mir unverständlich, warum das so ungerecht verteilt ist –, dass man sagt für ein Haus kriegt man keine Förderung, für eine Eigentumswohnung, die vielleicht viel mehr wert ist, aber schon."

In einer Stellungnahme an den ORF erklärt die Stadt Wien: "Währen der Umstieg im Eigenheim eine individuelle Entscheidung der Eigentümer ist, unterliegt die Dekarbonisierung im mehrgeschossigen Wohnbau einer wesentlich höheren technischen und organisatorischen Komplexität. Die Prämie dient hier als notwendiger Anreiz, um den schwierigen Ausstieg aus dem fossilen Bestand im dicht verbauten Gebiet voranzutreiben."

Stadt beruft sich auf sozial gerechte Verteilung

Weiters sei "festzuhalten, dass die differenzierte Behandlung von Eigenheimbesitzern und Wohnungsinhabern bei der Dekarbonisierungsprämie auf der unterschiedlichen strukturellen Ausgangslage und der Notwendigkeit einer sozial gerechten Mittelverteilung beruht."

Volksanwältin Gaby Schwarz kritisiert die Ungleichbehandlung von Wohnungs- und Hauseigentümern bei der Dekarbonisierungsprämie.
Volksanwaltschaft/Pargan

Dieser Argumentation kann Volksanwältin Gaby Schwarz nichts abgewinnen: "Ob es sich um eine Wohnung oder ein Einfamilienhaus handelt – jeder Ausstieg aus Gas muss gleich viel wert sein. Die Stadt Wien unterstellt mit dieser Ungleichbehandlung, dass sich Hauseigentümer so eine Investition leichter leisten können, als Wohnungseigentümer. Dafür fehlt mir das Verständnis."

Kritik von Volksanwältin Schwarz

Förderungen müssten für alle gleich sein: "Wenn die Stadt Wien daran interessiert ist, dass Menschen von fossile auf nachhaltige Heizmethoden umsteigen, darf sie keinen Unterschied zwischen Wohnungseigentümern und Hauseigentümern machen", so Schwarz abschließend.

{title && {title} } red, {title && {title} } 26.04.2026, 21:38
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