In Erwartung echter Handwerker ließ sich ein prämierter Akademiker dummerweise von einem verlockenden Angebot fahrender falscher Handwerker locken, als diese im vergangenen Sommer zeitlich passend vor seinem Haus am Wiener Stadtrand aufschlugen.
"Einer der Männer meinte, meine Dachrinnen seien verstopft und er könne diese schnell und unkompliziert für 100 Euro in Ordnung bringen", erinnert sich das Opfer der gemeinen Gauner im Gespräch mit "Heute", willigte ein. Während der Chef, der sich mit einem Fantasienamen vorgestellt hatte und der Rest der Bande lediglich die Leiter hielt, zerlegte einer der Arbeiter die Rinne, tauschte sie wegen angeblichem Rost aus, lasierte sie mit Lack und montierte ein Gitter, gab dem Kamin noch eine neue Fassung mit.
"Nach zwei Stunden verlangte der Chef 23.000 Euro von mir – und das, obwohl er mir garantiert hatte, dass keine Zusatzkosten entstehen würden", so das überrumpelte Opfer. "Das ganze Geld wollte der angebliche Ungar sofort in bar haben", erinnert sich der Hausbesitzer. Unter Druck gesetzt, einigte man sich auf 18.000 Euro. Der Bandenboss begleitete den Mann am Weg zur Bank, dann verschwanden die Männer.
Dank einer fotografierten Telefonnummer, die auf einer der Jacken aufgedruckt war, konnte ein gelisteter Spenglermeister ausgeforscht werden – doch die Ermittlungen wegen Sachwuchers wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Johannes Marchtrenker, Anwalt des Opfers, gab jedoch nicht auf und konnte zivilrechtlich sogar eine Zivilklage gegen den Verdächtigen gewinnen. "Wir haben sogar einen gültigen Exekutionstitel erreicht", so der Jurist.
Doch an besagter Firmenadresse im ländlichen Niederösterreich fanden der Geschädigte und der Jurist nur "eine Bauruine mit Briefkasten" vor, die Bande war mit dem Geld des Wieners und vielleicht noch weiteren Opfern längst über alle Berge. Der Wiener hofft, anderen Hausbesitzern zumindest als warnendes Beispiel zu dienen – "im Nachhinein ist man immer schlauer", ärgert er sich.