Was für Marmeladenfabriken jahrelang ein teures Entsorgungsproblem war, wird in Niederösterreich zum Geschäftsmodell. In Herzogenburg steht eine Anlage, die Steinobstkerne spaltet, sortiert und nutzbar macht – eine Maschine für Kernspaltung sozusagen.
Hinter der Idee steht Michael Beitl, der 2019 das Unternehmen "KernTec" gründete. Ausgangspunkt war eine simple Beobachtung: Bei der Verarbeitung von Marillen, Pfirsichen, Kirschen oder Zwetschken fallen tonnenweise Obstkerne an, die meist verbrannt oder entsorgt werden. Pro Betrieb können es rund 2.000 Tonnen sein – samt Kosten, Schimmelrisiko und Platzmangel.
Die Herausforderung lag im Inneren der Kerne. Wertvoll ist der Samen, nicht die harte Schale. Eine wirtschaftliche Trennung galt lange als unmöglich. Genau dafür entwickelte KernTec eine eigene Technologie, die erstmals eine regionale und wirtschaftliche Spaltung und Sortierung dieser Kerne erlaubt. Aus dem gewonnenen Material entstehen heute Pflanzendrinks, Cremes, Pasten und Öle.
Politische Aufmerksamkeit gab es dafür ebenfalls. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (VP) freut sich über den Unternehmergeist: "KernTec zeigt, wie Innovation und Verantwortung Hand in Hand gehen. Darauf können wir in Niederösterreich stolz sein." Und weiter: "Gleichzeitig zeigt KernTec, dass wir mit unserem Fokus auf Kreislaufwirtschaft nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch neue Wirtschaftszweige erschließen können. Genau dieser Weg sichert unseren Wohlstand für die Zukunft."
Heute beschäftigt das Unternehmen knapp 30 Mitarbeiter, verarbeitet sowohl österreichische als auch europäische Kerne und beliefert Kunden in sieben Ländern. Für Geschäftsführer Beitl ist der Standort entscheidend: "Niederösterreich war und ist der perfekte Standort für uns. Die Unterstützung reicht von professioneller Beratung bis hin zur Prototypen-Förderung. Zudem ist die geografische Lage ideal, da wir importieren und exportieren – wir liegen für alle gut erreichbar in der Mitte Europas."