Nur vier Zentimeter groß, technisch verblüffend raffiniert und vermutlich ein antikes Statussymbol: Das Kunsthistorische Museum zeigt ab 25. September 2026 in der Reihe Vitrine EXTRA eine der weltweit am besten erhaltenen römischen Taschensonnenuhren.
Wie spät ist es? Heute genügt ein Blick aufs Smartphone. Wer vor 1.800 Jahren durch das Römische Reich reiste, hatte es deutlich schwieriger: Eine Sonnenuhr funktioniert zwar überall, zeigt die Zeit aber nur dann korrekt an, wenn sie auf den jeweiligen Breitengrad eingestellt ist.
Für dieses Problem fanden die Römer eine erstaunlich moderne Lösung: die Taschensonnenuhr.
In der neunten Ausgabe der Reihe Vitrine EXTRA rückt die Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums ab 25. September ein außergewöhnliches Stück Technikgeschichte ins Zentrum: einen nur vier Zentimeter großen Zeitmesser aus Bronze, der Reisenden erlaubte, an unterschiedlichen Orten des Römischen Reiches die Zeit zu bestimmen.
Die kleine Sonnenuhr entstand nach der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. Auf dem Deckel der runden Bronzedose ist das Porträt des römischen Kaisers Antoninus Pius (reg. 138–161 n. Chr.) dargestellt. Ihr eigentliches technisches Geheimnis verbirgt sich jedoch im Inneren: Vier auswechselbare Einlagescheiben tragen Skalen sowie Namen von Orten und Regionen des Römischen Reiches – von Britannien bis Ägypten. Je nachdem, wo sich der Besitzer befand, konnte er die entsprechende Scheibe einsetzen und damit das Instrument an seinen Aufenthaltsort anpassen.
"Sonnenuhren funktionieren zwar überall auf der Erde, müssen aber an den Breitengrad des Aufenthaltsortes angepasst werden. Was machte man also auf Reisen? Dafür gab es Taschensonnenuhren", erklärt Georg Plattner, Direktor der Antikensammlung.
Damit erzählt das winzige Objekt von einer erstaunlich mobilen Welt. Menschen reisten über enorme Distanzen durch das römische Reich und nahmen das technologische Wissen ihrer Zeit buchstäblich mit auf den Weg.
Alltagstechnik für jedermann waren diese Instrumente allerdings nicht. Das Material und die aufwendige Ausführung sprechen dafür, dass Taschensonnenuhren ein Statussymbol der wohlhabenden Elite waren
"Dieses Objekt ist ein faszinierendes Stück antiker Geschichte – eine auf den ersten Blick unscheinbare, aber durchdachte und geniale Konstruktion, die auf jahrhundertelanger mathematischer und astronomischer Forschung beruht. Sie war das, was heute einer luxuriösen Armbanduhr oder dem neuesten Smartphone am nächsten kommen würde: technisch auf dem neuesten Stand, modisch und funktional", so Georg Plattner, Direktor der Antikensammlung.
Besonders außergewöhnlich ist ihre weitgehend vollständige Erhaltung. Taschensonnenuhren gehören zu den großen Seltenheiten der Archäologie. Weltweit sind heute nur etwa 20 Exemplare bekannt; von vielen gibt es nur mehr einzelne Teile. Das Stück des Kunsthistorischen Museums dürfte das vollständigste bekannte Exemplar sein.