Hat hier etwa die KI kräftig mitgeschrieben? Genau dieser Verdacht bringt den kanadisch-haitianischen Autor Thélyson Orélien nun in Bedrängnis.
Mehrere Wissenschafter und Journalisten hätten den Roman analysiert – und seien dabei unabhängig voneinander zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Das Buch sei "allem Anschein nach sehr weitgehend das Produkt einer Künstlichen Intelligenz", erklärte die Académie Goncourt.
Für die Verantwortlichen war damit offenbar eine Grenze erreicht: "C'était ça ou mourir" wurde von der Auswahlliste für den Prix Goncourt gestrichen.
Mit der Entscheidung wolle man die "Integrität" des traditionsreichen Literaturpreises schützen. Die Académie machte zugleich unmissverständlich klar, wen sie auszeichnen möchte: Literatur, die "von Frauen und Männern" geschrieben wurde – und nicht von einer KI.
Die Streichung sei daher auch als "klares Signal" zu verstehen. Texte, die mithilfe Künstlicher Intelligenz entstanden sind, wolle die Akademie demnach "weder fördern noch auszeichnen".
Für Orélien ist es nicht die erste Kontroverse rund um das Buch. Bereits zuvor waren Plagiatsvorwürfe gegen den Autor bekannt geworden.
Nun reagiert auch sein kanadischer Verlag Boréal. Sämtliche Werbeaktionen für "C'était ça ou mourir" werden vorerst eingestellt. Der Roman war erst im Frühjahr in Kanada erschienen.
Damit wird aus der erhofften literarischen Erfolgsgeschichte vorerst ein handfester KI-Krimi – und die Debatte darüber, wie viel Maschine in moderner Literatur stecken darf, dürfte gerade erst begonnen haben.