Am Wochenende war Psychologe und KI-Forscher John Haas aus Melk auf einer Plattform für Kleinanzeigen unterwegs. Er war privat auf der Suche nach speziellen, seltenen Rechengeräten und wurde sogar fündig – dachte er zumindest.
Als der Niederösterreicher auf ein interessantes Stück aufmerksam wurde, fragte er beim Verkäufer im Chat nach. Weil Haas auf Nummer sicher gehen wollte, bat er um ein zusätzliches Foto: Jenes Rechengerät, das zum Verkauf stand, sollte mit einem leeren Blatt Papier daneben zu sehen sein. Kurz darauf kam tatsächlich ein Bild. Doch genau das machte den Sammler stutzig.
"Das Foto war KI-generiert", sagt Haas im "Heute"-Gespräch. Sein KI-Bilddetektor "Deep AI" habe auffällige Spuren in den Bilddaten festgestellt. Als der Verkäufer dann auch noch die Zahlungsoption "Sicheres Zahlen" ablehnte und stattdessen auf PayPal bestand, war für Haas klar: Hier stimmt etwas nicht. Er meldete den Nutzer bei der Plattform
Doch damit war der Tag noch nicht vorbei. Nur wenige Stunden später entdeckte Haas wieder ein besonderes Rechengerät. Diesmal erzählte er dem Verkäufer sogar von dem ersten Betrugsversuch und erklärte, dass er deshalb nur über die sichere Bezahlfunktion der Plattform kaufen wolle.
Die Antwort klang zunächst verständnisvoll: "Oh, das ist schlecht... Vielleicht könnte ich irgendwas tun, damit du dir sicher bist?" Doch auch dieser Verkäufer wollte plötzlich wieder auf PayPal ausweichen. Später stellte sich heraus: Der Verkäufer-Account war gestohlen worden. Die echte Besitzerin bekam ihr Konto kurz darauf zurück und war selbst völlig überrascht, was in ihrem Namen passiert war.
"Kleinanzeigen-Netzwerke sind leider stark betrugsbelastet. Durch KI wurde das Ganze auf eine neue Ebene gehoben", warnt Haas im "Heute"-Gespräch. Früher seien viele Betrugsmaschen leichter zu erkennen gewesen. Heute könnten Kriminelle mit KI-Bildern, gestohlenen Accounts und scheinbar normalen Chats Vertrauen vortäuschen.
Besonders bitter: Ist das Geld einmal weg, wird es oft schwierig. Laut Bundeskriminalamt und Innenministerium lag die Aufklärungsrate bei Cybercrime im Jahr 2024 bei rund 31,7 Prozent. Viele Täter agieren aus dem Ausland oder verstecken sich in der Anonymität des Netzes.
Haas rät deshalb zu einfachen Checks: Verkäuferkonto prüfen, Preis vergleichen, Bilder rückwärts suchen, ein weiteres Foto verlangen und nie unter Druck zahlen. Besonders wichtig: "Auf keinen Fall auf eine alternative Zahlungsform einlassen", sagt er.
Zum Schluss rät Haas auch in seinem Facebook-Beitrag: "In diesem Sinne: Stay safe!"