Rechenzentren verursachen deutlich mehr CO2 als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie von Allianz Trade. Eine aktuelle PBS-Recherche aus den USA zeigt zudem, wie groß der Energiehunger neuer KI-Rechenzentren bereits heute ist – und dass dabei häufig auf riesige Dieselgeneratoren gesetzt wird.
Vor allem der Boom bei Künstlicher Intelligenz dürfte den Energieverbrauch und damit auch die Emissionen weiter in die Höhe treiben.
Wie groß die Auswirkungen des KI-Booms bereits sind, zeigt eine vielbeachtete Recherche des öffentlich-rechtlichen TV-Senders PBS in den USA. Sie dokumentiert mit Wärmebild-Aufnahmen die enorme Abwärme eines der weltweit größten KI-Rechenzentren und berichtet über Standorte, an denen Betreiber ihre Anlagen über längere Zeit mit Dieselgeneratoren versorgen, solange leistungsstarke Netzanschlüsse fehlen.
Die installierte Leistung dieser Generatoren erreicht laut der Recherche teils eine Größenordnung, die dem Strombedarf einer Großstadt entspricht.
Die Allianz-Studie beziffert die weltweiten Emissionen von Rechenzentren für das Jahr 2025 auf rund 286 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht ungefähr den jährlichen CO2-Emissionen eines Industrielandes wie Spanien oder Frankreich. Auch der Wasserverbrauch für die Kühlung ist nicht zu unterschätzen.
Damit liegt der CO2-Ausstoß um 57 Prozent mehr als frühere Schätzungen. Mehr als 70 Prozent davon entstehen durch den Stromverbrauch der Anlagen, rund ein Viertel durch Hardware und Infrastruktur.
Bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte sich die weltweit installierte Rechenleistung verdoppeln. Schon heute entfallen laut Allianz Trade 15 bis 20 Prozent des Stromverbrauchs von Rechenzentren auf KI-Anwendungen.
Genau vor dieser Entwicklung warnt auch die neue Studie. Mit dem Boom der Künstlichen Intelligenz steigt der Strombedarf rasant - und damit auch der CO2-Ausstoß, wenn die Energie nicht aus klimafreundlichen Quellen stammt.
Entscheidend ist dabei der Strommix. In Norwegen und Schweden entstehen weniger als 30 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. In den USA sind es 384 Gramm, in China 526 Gramm und in Deutschland 329 Gramm. China und die USA verursachen gemeinsam rund 70 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen von Rechenzentren.
Europa sei beim klimafreundlichen Ausbau von KI grundsätzlich gut aufgestellt. Deutschland zählt wegen des vergleichsweise hohen Anteils an Kohlestrom allerdings zu den Schlusslichtern.
Je sauberer der Strommix, desto klimafreundlicher können auch KI-Rechenzentren betrieben werden. Genau darin sehen die Autoren der Studie Europas größten Vorteil.