Wilde Gerüchte um Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un! Seit Tagen verbreiten sich in sozialen Netzwerken Behauptungen, der 42-Jährige habe eine schwere Hirnblutung erlitten und sei nach einer Notbehandlung in China gestorben. Sogar über eine angebliche Machtübernahme durch seine Schwester wird spekuliert.
Doch für die Todesmeldungen gibt es keinerlei belastbare Belege. Jetzt hat das nordkoreanische Staatsfernsehen neue Aufnahmen veröffentlicht, die Kim gemeinsam mit seiner Ehefrau und seiner Tochter zeigen sollen.
Ausgangspunkt der Spekulationen war offenbar ein Beitrag des in den USA lebenden chinesischen Dissidenten Xie Wanjun auf der Plattform X vom 19. Oktober. Darin verbreitete er die Behauptung, Kim Jong-un sei nach einer plötzlichen Hirnblutung bewusstlos zusammengebrochen.
Wegen der angeblich unzureichenden medizinischen Versorgung in Nordkorea sei der Machthaber nach Peking gebracht worden. Dort soll er gestorben sein. Belege für diese Darstellung lieferte Xie nicht. Dennoch verbreiteten sich die Behauptungen rasch in sozialen Netzwerken.
Damit nicht genug: Im Internet tauchten auch Behauptungen über eine angebliche Nachfolge auf. Demnach soll nicht Kims Tochter Ju-ae, sondern seine jüngere Schwester Kim Yo-jong die Macht in Nordkorea übernommen haben. Auch für diese Darstellung fehlen unabhängige Bestätigungen.
Wie die südkoreanische Zeitung "Hankook Ilbo" berichtet, gilt Xie Wanjun als umstrittene Quelle, die bereits in der Vergangenheit unbelegte Behauptungen über die politische Führung Chinas verbreitet hat. Die kursierenden Berichte über Kims angeblichen Tod sind deshalb mit besonderer Vorsicht zu betrachten.
Mitten in die Spekulationen hinein veröffentlichten Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA und das Staatsfernsehen KCTV am Dienstag (20. Oktober) neue Aufnahmen des Machthabers. Den offiziellen Angaben zufolge besuchte Kim bereits am Montag die "Nationale Bekleidungs- und Schuhausstellung 2026" in Pjöngjang.
Die Bilder zeigen ihn beim Rundgang durch die Ausstellung. An seiner Seite sind demnach seine Ehefrau Ri Sol-ju und seine Tochter Ju-ae zu sehen. Kim begutachtet auf den veröffentlichten Aufnahmen unter anderem ausgestellte Kleidungsstücke und Schuhe.
Der genaue Aufnahmezeitpunkt lässt sich allerdings nicht unabhängig überprüfen. Die Bilder stammen aus nordkoreanischen Staatsmedien, deren Berichterstattung staatlich kontrolliert wird.
Bemerkenswert ist, dass die staatlichen Medien die im Ausland kursierenden Todesmeldungen nicht direkt ansprechen. Ein ausdrückliches Dementi der behaupteten Hirnblutung oder eines angeblichen Todesfalls wurde nicht veröffentlicht. Stattdessen berichteten die Medien über den vermeintlichen Ausstellungstermin und zeigten Kim bei öffentlichen Aktivitäten.
Die Aufnahmen stehen damit im Widerspruch zu den Behauptungen, er sei bereits gestorben. Ein unabhängiger Nachweis seines aktuellen Gesundheitszustandes sind sie jedoch nicht.
Gerüchte über den Gesundheitszustand des nordkoreanischen Machthabers sind nicht neu. Bereits im Jahr 2020 hatten Berichte über eine angeblich lebensbedrohliche Erkrankung international für Spekulationen gesorgt. Damals tauchte Kim nach längerer Abwesenheit wieder öffentlich auf.
Auch diesmal bleibt entscheidend, was tatsächlich belegt ist: Es gibt keine verlässliche Bestätigung für eine Hirnblutung, eine Einlieferung in ein Krankenhaus in Peking oder den angeblichen Tod des Machthabers.