Der Dialekt verliert bei Österreichs Kindern und Jugendlichen zunehmend an Bedeutung. Statt Mundart ist immer häufiger Hochdeutsch zu hören. Experten sehen vor allem Smartphones, Tablets und soziale Medien als Ursache. Ganz verschwinden dürfte der Dialekt allerdings nicht.
Wie sich die Sprache verändert, zeigt sich etwa an der Volksschule Rappottenstein im Bezirk Zwettl. Dort sprechen viele Kinder während des Unterrichts Hochdeutsch, untereinander wechseln sie aber häufig in die Mundart. Besonders bei persönlichen Erzählungen komme der Dialekt zum Vorschein, berichtet Direktorin Cornelia Ledermüller gegenüber dem "ORF".
Zwar wachsen die meisten Schulanfänger weiterhin mit Dialekt auf, doch die Standardsprache gewinnt an Bedeutung. "Ich denke, dass die Mundart weniger wird, dass die Kinder mehr in der Standardsprache zu sprechen beginnen. Der Dialekt verliert sich immer mehr", so Ledermüller.
Auffällig sei zudem, dass manche Kinder Bundesdeutsch verwenden, obwohl sie keine familiären Wurzeln in Deutschland haben. Sprachheilpädagogin Edith Höllmüller-Bachner macht dafür vor allem digitale Medien verantwortlich. "Das Fernsehen ist hier weniger das Problem, eher das Smartphone und die Tablets", erklärt sie.
Bei übermäßigem Medienkonsum könne auch die Sprachentwicklung leiden. Der Dialekt selbst sei dagegen kein Nachteil, da er ebenso wie Hochdeutsch über eine vollständige Grammatik verfüge.
Für den Sprachwissenschaftler Manfred Glauninger von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist diese Entwicklung Teil eines natürlichen Wandels. Gesellschaftliche Veränderungen würden sich immer auch auf die Sprache auswirken, erklärte er gegenüber noe.ORF.at.
Besonders das Internet beeinflusse die jüngere Generation. Jugendliche würden heute so viel lesen und schreiben wie keine Generation zuvor. Gleichzeitig prägen Influencer aus Deutschland oder dem englischsprachigen Raum ihre Ausdrucksweise teilweise stärker als das persönliche Umfeld.
Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Während Mundart in Vorarlberg einen hohen Stellenwert hat, genießt sie in Wien laut Glauninger ein eher schlechtes Image. Auch das Wiener Umland in Niederösterreich sei davon geprägt.
Im Wald- und Weinviertel gehört der Dialekt hingegen weiterhin zum Alltag vieler Menschen. Weil Mundart eng mit der regionalen Identität verbunden ist, rechnet der Experte nicht mit ihrem Verschwinden.
Stattdessen dürften sich die vielen kleinräumigen Dialekte zunehmend zu größeren regionalen Sprachformen entwickeln. Glauninger ist überzeugt: "Der Dialekt wird nicht sterben, er wird nicht verschwinden, er wird sich verändern."