Änderung bei den Ganztagesplätzen in Wiens städtischen Kindergärten: Familien sollen ihren Ganztagesplatz künftig nicht mehr verlieren – auch dann nicht, wenn ein Elternteil vorübergehend arbeitslos wird oder in Karenz geht, wir berichteten. Die neue Regelung sorgt bei der Opposition für Zustimmung – aber auch für Kritik.
"Diese Entscheidung ist grundsätzlich zu begrüßen", so Klubobmann und Bildungssprecher Harald Zierfuß (VP). "Gerade für Kinder sind klare Abläufe und vertraute Bezugspersonen wichtig. Arbeitslosigkeit oder Karenz der Eltern dürfen nicht dazu führen, dass Kinder aus ihrem gewohnten Alltag gerissen werden. Besonders Kinder mit Deutschförderbedarf profitieren von einem regelmäßigen und ganztägigen Kindergartenbesuch. Funktionierende Elementarpädagogik schafft die Grundlage für einen erfolgreichen Schuleinstieg", so Zierfuß.
VP-Familiensprecherin Sabine Keri verweist ebenfalls auf die langjährige Forderung ihrer Partei und spart nicht mit Kritik an SPÖ und Neos. "Seit mehr als zehn Jahren fordern wir, dass ein einmal zuerkannter Ganztagesplatz im städtischen Kindergarten auch bei Karenz oder vorübergehender Arbeitslosigkeit der Eltern erhalten bleibt. Umso mehr freut es uns, dass diese langjährige Forderung der Wiener Volkspartei nun endlich umgesetzt wird", erklärt Keri.
Für die ÖVP ist die Sache damit allerdings noch nicht erledigt. Zierfuß und Keri fordern unter anderem kleinere Gruppen, bessere Bedingungen für Pädagogen, konsequente Deutschförderung und eine faire Finanzierung der Kindergärten.
Auch die Wiener Grünen begrüßen die Änderung grundsätzlich, halten sie aber für nicht weitreichend genug. Ihre Kritik: Kinder, deren Eltern bereits bei der Geburt arbeitslos waren, würden von der neuen Regelung weiterhin nicht entsprechend erfasst.
"Alle Kinder in Wien müssen von Geburt an die gleichen Chancen haben. Die Ankündigung von Emmerling geht in die richtige Richtung, ist aber noch immer keineswegs fair im Sinne der Chancengleichheit. Kinder von Eltern, die bei der Geburt des Kindes arbeitslos waren, haben mit der neuen Regelung weiterhin keinen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Wie kommen diese Kinder dazu, dass sie ausgeschlossen werden? Das darf nicht sein", erklären die grünen Bildungssprecher Julia Malle und Felix Stadler.
"Dass die Stadtregierung Kindern von Eltern, die bei der Geburt arbeitslos waren, weiterhin einen Anspruch auf einen Ganztagesplatz im Kindergarten verweigert, zeigt einmal mehr, dass SPÖ und Neos den Kindergarten weiterhin als Betreuungs- und nicht als Bildungseinrichtung behandeln", so Malle und Stadler.