Auslandsaufenthalte in Madeira und Skandinavien für jugendliche Intensivtäter und sogenannte Problemkinder sorgen jetzt für einen Politstreit in Wien. Jugendliche aus betreuten Wohngemeinschaften der MA 11 bekommen "erlebnispädagogische Projekte" im Ausland finanziert, werden sogar nach Skandinavien und Madeira geschickt. Dort gibt es gute Netzwerke mit Partnervereinen.
Günstig ist das nicht: Die Kosten (Tagsätze) bewegen sich – abhängig vom jeweiligen Betreuungsbedarf und der Betreuungsintensität – zwischen rund 200 und 1.400 Euro pro Tag, heißt es dazu aus der MA 11. "Zusätzlich können im Einzelfall An- und Rückreisekosten anfallen."
FPÖ und ÖVP üben nun scharfe Kritik an der zuständigen Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos). Im Zentrum stehen vor allem Fragen zu Kosten, Teilnehmerzahlen, Abwicklung und dem konkreten Erfolg der Maßnahmen.
"Während bei den Wienern gespart und abkassiert wird, kennt Emmerling beim Geldausgeben offenbar keine Grenzen", kritisiert FPÖ-Wien-Bildungssprecher und Klubobmann Maximilian Krauss. Besonders grotesk sei aus seiner Sicht, "dass es keine transparenten Gesamtkosten, keine klaren Teilnehmerzahlen und keine umfassenden Nachweise über den tatsächlichen Erfolg dieser Reisen gibt".
Krauss kritisiert zudem, dass die Projekte über unterschiedliche Vereine und Einrichtungen abgewickelt werden. Er fordert deshalb die lückenlose Offenlegung sämtlicher Kosten, Teilnehmerzahlen, beauftragter Vereine sowie der konkreten Ergebnisse der vergangenen Jahre.
"Warum werden derart sensible und kostspielige Projekte erneut ausgelagert? Warum übernimmt die zuständige MA 11 nicht selbst die Abwicklung und damit die volle Kontrolle über jeden ausgegebenen Euro?", fragt Krauss.
Auch die Wiener ÖVP reagiert mit Kritik. Familiensprecherin und Gemeinderätin Sabine Keri verweist darauf, dass bereits rund um die sogenannte Auszeit-WG Fragen zur Kinder- und Jugendhilfe aufgetaucht seien. "Niemand bestreitet, dass diese Kinder intensive Betreuung brauchen. Gerade deshalb müssen solche Maßnahmen höchsten fachlichen Standards entsprechen und nachvollziehbar sein", erklärt Keri.
Aus Sicht der ÖVP sei problematisch, dass weder konkrete Kosten noch belastbare Zahlen oder eine wissenschaftliche Evaluierung der Auslandsmaßnahmen vorgelegt würden. Keri spricht vom "Gegenteil von Transparenz".
Die Wiener Volkspartei fordert nun ebenfalls die vollständige Offenlegung der Auslandsmaßnahmen. Die VP will von Emmerling wissen, wie viele Minderjährige daran teilgenommen haben, welche Kosten entstanden sind und auf welcher wissenschaftlichen Grundlage die Maßnahmen erfolgen.
"Die Wienerinnen und Wiener haben ein Recht darauf zu erfahren, wie viele Minderjährige an diesen Projekten teilgenommen haben, welche Kosten dadurch entstanden sind und auf welcher wissenschaftlichen Grundlage diese Maßnahmen erfolgen", so Keri. Sowohl FPÖ als auch ÖVP verlangen Zahlen, Kosten und konkrete Nachweise zum Nutzen der Auslandsaufenthalte.