Am 25. August 2024 mussten Tiroler Polizeibeamte nach einem gruseligen Fund im Gemeindegebiet von Sölden, Ortsteil Gurgl, im Rotmoostal auf eine Seehöhe von 2.459 Metern aufsteigen. Schmelzendes Gletschereis hatte Teile einer Leiche freigegeben.
Während gefundene Knochen von Tieren stammten, war ein Teil defintiv menschlich: ein Unterschenkel samt Fuß. Von diesem wurde in Folge am Institut für gerichtliche Medizin der Universität eine DNA-Untersuchung durchgeführt. Dabei gelang eine kleine Sensation, denn die Ergebnisse der Gerichtsmediziner brachten die Ermittler auf die Spur eines fast 60 Jahre alten Cold Cases.
Der Fuß konnte einem damals 30-jährigen deutschen Staatsbürger aus Baden-Württemberg zugeordnet werden, der im Jahr 1967 während einer Skitour im Bereich des sogenannten Wasserfallferners auf ca. 3200 Metern Seehöhe in eine Gletscherspalte gestürzt war. Der Mann galt seither als vermisst.
Der Polizeibericht zu dem Ermittlungserfolg schließt mit einem traurigen Detail. Die Gewissheit über den Tod des Deutschen bedeutet nur einen Abschluss in den Akten, denn "Angehörige des Verunfallten gibt es nicht."
In den nächsten 20 Jahren werden sich die Eismassen der österreichischen Gletscher halbieren – völlig unabhängig von welchem Szenario man ausgeht, schrieb Herbert Formayer, wissenschaftlicher Leiter des Klimastatusbericht 2022 und Professor am Institut für Meteorologie und Klimatologie der BOKU Wien: "Wir können das nicht mehr verhindern".
Der Wiener Wissenschaftler mahnte, dass man sich nun sofort mit dem "totalen Verlust der Gletscher" auseinandersetzen müsse, um die Auswirkungen auf Umwelt, Land und Wirtschaft so gering wie möglich zu halten: "Nach dem Jahr 2040 ist damit zu rechnen, dass Wasserknappheit insbesondere bei längeren Trockenperioden im Sommer regional ein zunehmendes Problem darstellen wird".