Synchrone Periode

Können Freundinnen ihren Zyklus aufeinander abstimmen?

Dass sich die Zyklen menstruierender Frauen synchronisieren, wenn sie sich lange genug in unmittelbarer Nähe aufhalten, ist nicht mehr als ein Mythos.
Heute Life
25.11.2025, 18:38
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Noch immer ranken sich um die Menstruation jede Menge Mythen – manche klingen harmlos, andere sorgen dafür, dass sich Frauen unnötig schämen, quälen oder sogar falsch behandeln. Stimmt es, dass man während der Periode nicht schwimmen kann? Nein. Lockt der Geruch einer menstruierenden Person Bären an? Auch nein. Und dann gibt es da noch ein Gerücht, das sich hartnäckig hält: Wenn Frauen lange genug in der Nähe voneinander sind, soll sich ihre Menstruationszyklen irgendwann synchronisieren, auch bekannt als "Menstruationssynchronisation".

Dr. Rachel Jensen vom American College of Obstetricians and Gynecologists versteht, warum dieser Glaube so verbreitet ist: "Die Vorstellung, dass sich unsere Körper mit denen unserer Angehörigen synchronisieren, ist tröstlich und schafft eine Verbindung." So funktioniert der Körper aber nicht.

Gibt es wirklich eine Menstruationssynchronisation?

NEIN. Die Idee erlangte Anfang der 1970er-Jahre große Aufmerksamkeit, als Dr. Martha McClintock die erste wissenschaftliche Arbeit zur Menstruationssynchronisation veröffentlichte. Darin beobachtete sie Studentinnen in einem Studentenwohnheim und stellte fest, dass Frauen, die in unmittelbarer Nähe zueinander wohnen oder eine gemeinsame Umgebung teilen, eine Angleichung ihrer Menstruationszyklen aufweisen. Dies wurde als McClintock-Effekt bekannt.
Eine Reihe nachfolgender Studien in den 1990er Jahren bestätigte McClintocks Befund. Einige vermuteten, dass die Verschiebung auf "Geruchsreize" oder Pheromone zurückzuführen sein könnte, die den Menstruationszyklus beschleunigen oder verzögern.

Neuere, methodisch strengere Studien konnten jedoch "im Allgemeinen keine Synchronität zwischen den Menstruationszyklen von Frauen feststellen, die zusammenleben", sagt Dr. Jewel Kling, Leiterin der Abteilung für Frauengesundheit an der Mayo Clinic in Arizona (USA). Die Forschung konnte bisher nicht aufzeigen, wie der Körper diesen Effekt überhaupt auslösen würde. "Es gibt keinen biologischen Mechanismus für die Synchronisierung des Menstruationszyklus", sagt Jensen.

Warum glauben so viele Menschen an die Synchronisation der Menstruation?

"Viele Frauen glauben, dass das stimmt", sagt Dr. Salena Zanotti, Gynäkologin an der Cleveland Clinic. Wenn es so aussieht, als würden sich die Menstruationszyklen der Menschen synchronisieren, ist das eher auf Informationsverzerrungen und Statistiken als auf biologische Gegebenheiten zurückzuführen.

Wir kennen und erinnern uns eher an den Menstruationszyklus von Menschen, die uns nahestehen, sagt Jensen. Das bedeutet, dass wir es eher bemerken, wenn unsere Zyklen übereinstimmen. Da sich Menstruationszyklen in Zeit und Länge unterscheiden, ist es statistisch wahrscheinlich, dass sich die Zyklen zweier Personen irgendwann überschneiden, sagt Jensen: "Studien zeigen, dass sich die Zyklen mit der gleichen Rate synchronisieren, wie wir es aufgrund mathematischer Wahrscheinlichkeiten aufgrund des Zufalls erwarten würden."

Was beeinflusst den Zeitpunkt des Menstruationszyklus?

Viele Faktoren beeinflussen Zeitpunkt und Dauer des Menstruationszyklus, dazu gehören:

  • Körperzusammensetzung: Ein hoher BMI steht im Zusammenhang mit unregelmäßigen Zyklen, sagt Kling.
  • Alter: "Bei Jugendlichen und Frauen in den Wechseljahren kann die Menstruation unregelmäßig sein", sagt Jensen.
  • Psychischer Stress: Depressionen können den Lebensrhythmus eines Menschen stören.
  • Medikamente, wie zum Beispiel Verhütungsmittel.
  • Medizinische Zustände wie Schilddrüsenerkrankungen, polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) oder Wechseljahre.
  • Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkohol- und Koffeinkonsum, Ernährung und körperliche Aktivität.

Welche anderen Mythen gibt es rund um die Menstruation?

Viele Mythen rund um die Menstruation sind kulturell bedingt, sagt Zanotti, wie etwa die Vorstellung, dass die Periode etwas Schmutziges oder Peinliches sei. Sie weist außerdem auf den Mythos hin, dass die Verwendung von Tampons oder Menstruationstassen bedeute, nicht mehr jungfräulich zu sein. (Das stimmt nicht.)

Auch die Aussage, dass man während der Periode keinen Sex haben oder Sport treiben sollte, stimmt nicht, sagt Jensen. Beides sei sicher, allerdings sollte man sich bewusst sein, dass auch während der Periode ein Risiko für sexuell übertragbare Infektionen oder eine Schwangerschaft besteht. Sport könne bei bestimmten Periodenbeschwerden wie Krämpfen oder Stimmungsschwankungen sogar helfen.

Bei Beschwerden zum Arzt

Solche Mythen rund um die Menstruation verbreiten sich scheinbar ungehindert, während manche Fakten kaum thematisiert werden. So leiden viele Frauen monatlich unter körperlichen und psychischen prämenstruellen Symptomen (PMS), schmerzhaften und abnormalen Regelblutungen. "Bis zu 85 % der Frauen leiden unter menstruationsbedingten Beschwerden", sagt sie. "Und 40 % geben an, dass diese sie stark belasten."
Doch das muss nicht so sein. "Die Menstruation ist ein ganz normaler Teil des Lebens. Sie muss weder sehr schmerzhaft noch sehr stark sein." Betroffene sollten sich an einen Arzt wenden, um die Ursachen abklären zu lassen und die richtige Behandlung zu finden.

{title && {title} } red, {title && {title} } 25.11.2025, 18:38
Jetzt E-Paper lesen