Eine brisante Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich sorgt für Aufregung im heimischen Gesundheitssystem. Wie von "Heute" berichtet, wurde Patienten angeboten, gegen private Zuzahlungen von bis zu 8.600 Euro schneller zu einem OP-Termin zu kommen. 9,1 Prozent der 810 Befragten erhielten laut Untersuchung ein entsprechendes Angebot.
Besonders auffällig: Während Patienten ohne private Zugangswege im Median 20 Wochen auf eine Operation warteten, waren es bei jenen mit mehreren privaten Möglichkeiten nur 7,5 Wochen. Die Arbeiterkammer fordert nun ein Ende solcher Vorreihungen und eine gesetzliche Garantie für Operationen innerhalb von zwölf Wochen.
Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Johannes Steinhart, reagierte in einer Aussendung entrüstet. Die "pauschalen Verdächtigungen" seien "nicht hinzunehmen", so Steinhart. "Unsere Ärztinnen und Ärzte halten jeden Tag das Gesundheitssystem am Laufen und geben ihr Bestes für Patientinnen und Patienten. Sie haben es sicher nicht verdient, pauschal der Korruption verdächtigt zu werden".
Die Methodik der Studie könne kein objektives Bild bieten. Man erwarte sich seitens der Arbeiterkammer eine Entschuldigung.
Am Freitagabend legte Steinhart in der ORF-"ZIB2" im Gespräch mit Moderator Martin Thür nach. Die Frage, ob man schneller einen OP-Termin bekommt, wenn man als Privatpatient zu einem Arzt geht, beantwortete Steinhart auch auf wiederholte Nachfrage nicht. Er könne die Vorwürfe der Studie nicht nachvollziehen.
Der Chef der Ärztekammer wiederholte auch im TV-Studio seine Kritik an der Studie. Es sei "eine unglaubliche Situation" dass die Studie mit 800 Befragten als Basis hergenommen werde, dass man 50.000 Ärzte der Korruption bezichtigt. "Das kann's nicht sein" Eine allgemeine Beschuldigung, dass die Ärzteschaft korrupt ist, könne man nicht akzeptieren, so Steinhart.
Zur Verkürzung der Wartezeiten forderte Steinhart einmal mehr einen deutlichen Ausbau des öffentlichen Gesundheitssystems. "Wenn wir den Kassenbereich durch attraktivere Arbeitsbedingungen stärken und die Ambulanzen auch durch eine bessere Patientenlenkung entlasten, verkürzen sich die Wartezeiten und das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem wird gefestigt", so Steinhart.