ESC Fan-Café

Koscherer Wein und Polizei – Israel in der MQ Kantine

Die MQ Kantine fungiert als ESC-Fancafé für Israel. Das Lokal wird bewacht, die Stimmung ist überwiegend positiv, schildert Chefin Lisa Wegenstein.
Christine Ziechert
13.05.2026, 06:00
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ESC-Favorit Finnland hat den "Gschamster Diener", Deutschland das "Café Hummel" und Österreich die K.u.K. Hofzuckerbäckerei Gerstner – nur Israel wollte niemand als "Eurofan Café" vertreten.

Insgesamt 21 Lokale fungieren in Wien als Song Contest Cafés und repräsentieren jeweils ein oder zwei der 35 teilnehmenden Länder. Israel, das von Noam Bettan (28) mit dem Song "Michelle" vertreten wird, fand mit der MQ Kantine in Wien-Neubau schließlich doch noch einen Gastro-Paten.

Speisekarte wurde angepasst

Chefin Lisa Wegenstein (58) – sie führt seit 23 Jahren mit ihrem Mann Johannes das Lokal – hat selbst jüdische Vorfahren und ist eine Nichte des Schriftstellers Johannes Mario Simmel. "Die Stimmung ist überwiegend positiv. Viele gratulieren mir und sagen: 'Toll, dass du das machst'", meint Wegenstein zu "Heute".

Im Lokal hängen Israel-Fahnen, auch die Speisekarte wurde angepasst: Aus dem Antipasti-Teller mit Falafel, Hummus, Schafkäse, Korianderpesto, getrockneten Tomaten, gegrillten Zucchini bzw. Paprika und Pita-Brot wurde der "ESC Jerusalem Teller" (15,90 Euro): "Der Name bleibt vielleicht – ich würd's gut finden. Aber das müssen wir noch genau durchdenken", meint die Lokal-Chefin.

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Weißer und roter koscherer Wein

Der Cheesecake wird mit Mangosauce (7,50 Euro) serviert, auch das typische israelische Frühstücksgericht Shakshouka (Eier, Tomatenmark, Chilischoten, Zwiebel sowie auch fallweise Feta und Paprika) wird angeboten.

Neu im Programm sind dafür zwei Bagel – der "New York" (7,90 Euro) mit Lachs, Zwiebel Cream Cheese und Dillsauce und der "Tel Aviv" mit Falafel, Hummus und Salat. Auch koscherer Wein findet sich auf der Getränkekarte: "Der rote stammt von einer Freundin, sie lebt koscher und hat gemeint: 'Ich bringe euch einfach ein paar Flaschen vorbei'. Der weiße stammt von einem jüdischen Mann, der uns den Wein angeboten hat – ich habe ihm zehn Flaschen abgekauft", so Wegenstein.

Message an Noam Bettan

Neben dem Gastro-Angebot setzt Wegenstein auch auf Veranstaltungen: Am Mittwoch, 13. Mai, tritt etwa Lea Kalisch ab 18 Uhr mit dem Trio-Rabbi Tobias und Pavel auf. Am Donnerstag, 14. Mai (18 Uhr), serviert Koch und Star-Designer Yaniv Persy israelisches Fingerfood. Am Freitag, 15. Mai, ist Rupert Stelzer an der Reihe.

ESC-Teilnehmer Noam Bettan wird leider nicht persönlich vorbeischauen: "Die Sicherheitsmaßnahmen wären viel zu aufwendig. Aber wir haben ihm eine Message geschickt und ihm viel Glück gewünscht", berichtet Wegenstein.

Polizeibeamte sorgen für Schutz

Sicherheit wird in der MQ Kantine derzeit großgeschrieben: An beiden Eingängen steht jeweils ein uniformierter Polizeibeamter, im Vorfeld wurde das Lokal natürlich auch vom israelischen Geheimdienst Mossad unter die Lupe genommen. "Sind Mossad-Agenten auch im Lokal?" – "Sagen wir mal so: Es gibt Leute hier, die man nicht als Agenten erkennt", meint Wegenstein.

Bereits im Vorfeld des Song Contests hatte es international Diskussionen über die Teilnahme Israels wegen des Gaza-Krieges gegeben. Mehrere Länder wie Spanien und die Niederlande zogen sich vom Bewerb zurück. Zudem fordern mehr als 1.100 Musikerinnen und Musiker einen Boykott des ESC. Für Samstag, 16. Mai, wurde zudem eine Großdemonstration gegen die Teilnahme Israels angemeldet.

Israel-feindliche Schmierereien am WC von der MQ Kantine
zVg

Schmierereien am WC

Auch an der MQ Kantine geht die Israel-Feindlichkeit nicht spurlos vorüber: Neben Anfeindungen auf Social Media, lassen sich auch Lokal-Besucher nicht von WC-Schmierereien wie "Death to the IDF (israelisches Militär, Anm.)", "Free Palestine" oder "Boycott Israel" abhalten. Wegenstein nimmt es halbwegs gelassen: "Wenigstens werden wir nur boykottiert und nicht auf der Straße beschimpft oder bespuckt."

{title && {title} } cz, {title && {title} } Akt. 13.05.2026, 09:43, 13.05.2026, 06:00
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