120 kirchliche Organisationen

"Kreuzzug" fürs Klima – Christen kritisieren Ölkonzerne

120 christliche Organisationen aus 20 EU-Ländern fordern einen raschen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und neue Steuern für Ölkonzerne.
Bernd Watzka
21.05.2026, 15:19
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Mit einem historischen Klima-Appell stellen sich Europas Kirchen offen gegen die mächtigsten Ölkonzerne der Welt: 120 kirchliche Organisationen aus ganz Europa erhöhen den Druck auf die EU. In einem gemeinsamen Appell verlangen sie einen schrittweisen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas - und eine dauerhafte Besteuerung der enormen Gewinne von Öl- und Gaskonzernen.

Europa hat moralische Verantwortung

"Europa hat eine historische Pflicht und Chance, den Übergang in eine neue Ära weg von fossilen Brennstoffen anzuführen", heißt es in dem Schreiben. Die Unterzeichner sehen die EU in einer moralischen Verantwortung, den Klimawandel aktiv zu bekämpfen und den Ausbau sauberer Energie massiv voranzutreiben.

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Mega-Gewinne der Energieriesen

Besonders scharf kritisieren die christlichen Gruppen die Gewinne der Energieriesen. Laut einem Bericht des "Guardian" sollen die 100 größten Öl- und Gaskonzerne während des Iran-Kriegs zeitweise mehr als 30 Millionen Dollar Gewinn pro Stunde gemacht haben. Die Organisationen sprechen von "kolossalen Gewinnen", während gleichzeitig Millionen Menschen unter Teuerung und Klimafolgen leiden.

Zahlreiche Unterstützer

Zu den Unterstützern zählen unter anderem Caritas Europa, die Laudato-Si'-Bewegung und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Der Appell trägt den Titel "Europa, sei treu für unser gemeinsames Haus" und beruft sich auf christliche Werte wie Menschenwürde, Gemeinwohl und Verantwortung für die Schöpfung.

Die Gruppen warnen davor, dass die Klimakrise vor allem arme Länder und sozial schwächere Menschen trifft. Deshalb fordern sie mehr Unterstützung für Staaten des Globalen Südens - etwa durch Schuldenerlasse, Zuschüsse statt Kredite und gerechtere Steuern.

Gegen Lockerung von Umweltgesetzen

Besonders kritisch sehen die Organisationen aktuelle Pläne der EU-Kommission zur Lockerung von Umweltregeln. Die sogenannte "Omnibus"-Gesetzgebung würde laut den Kritikern Schutzstandards schwächen und Konzernen mehr Spielraum geben. "Allzu oft hat Vereinfachung zur Deregulierung geführt", heißt es in dem Schreiben.

Kohle soll bis 2030 verschwinden

Die Forderungen der Kirchen sind klar formuliert: Kohle soll bis 2030 verschwinden, Gas bis 2035 und Öl bis 2040. Zusätzlich verlangen die Gruppen ein sofortiges Verbot neuer Öl- und Gasprojekte sowie massive Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

Auch beim nächsten EU-Budget müsse laut den Organisationen umgedacht werden. Vorrang sollten Haushalte haben, die ihre Energierechnungen kaum mehr bezahlen können - und nicht Konzerne mit Milliarden-Gewinnen.

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