Ist Österreich gefährlicher geworden? Die Fakten

Brutale Gewalttaten dominieren derzeit die Schlagzeilen. Doch: Hat die Kriminalität im Land wirklich zugenommen? Und wie stehen wir im internationalen Vergleich da?
Und schon wieder ist eine Frau in Österreich gewaltsam ums Leben gekommen: In Tulln (NÖ) starb am Montagnachmittag eine 32-Jährige auf dem Parkplatz eines Supermarkts.Mutmaßlicher Täter ist ihr Mann.

Tulln, Amstetten, Krumbach, Wr. Neustadt, Wiener Hauptbahnhof: Mehrere brutale Tötungsdelikte dominierten in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen.

Die Serie wirft Fragen auf: Hat die Kriminalität im Land zugenommen? Und wie steht Österreich im internationalen Vergleich da?

Antworten liefert ein Blick in die österreichischen und europäischen Kriminalstatistiken.

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Erkenntnis 1: Vergleichsweise tiefe Mord-Rate





(Quelle: Eurostat)

Im internationalen Vergleich ist die Zahl der Tötungsdelikte in Österreich relativ tief. Auf 100.000 Einwohner kamen 2016 0,66 Opfer von Tötungsdelikten, wie Daten von Eurostat zeigen. Zum Vergleich: In Litauen sind es 5,3 Opfer, in Montenegro 4,5. Auch das Nachbarland Ungarn kommt mit mehr als zwei getöteten Personen pro 100.000 Einwohner auf einen ungleich höheren Wert als Österreich.

Am wenigsten Menschen wurden im Erhebungsjahr in Slowenien, Island und Liechtenstein getötet.

Erkenntnis 2: Mehr weibliche Opfer





Lesebeispiel: In Litauen kamen 2016 auf 100.000 Einwohner 8,05 männliche und 2,95 weibliche Todesopfer. (Quelle: Eurostat)

Einen unrühmlichen Spitzenplatz nimmt Österreich hingegen ein, wenn es um weibliche Mordopfer geht. Nur in ganz wenigen europäischen Ländern sind die Opfer vorsätzlicher Tötungen häufiger Frauen als Männer. Dazu gehören neben Österreich auch Island, die Schweiz und Tschechien.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr von Jänner bis November 41 Frauen ermordet in Österreich. Das ist der höchste Wert seit Jahren. Dem gegenüber stehen 29 männliche Mordopfer.

Fast zwei von drei Gewalttaten sind Beziehungstaten. Nur in rund 35 Prozent der Fälle gab es keine Beziehung zwischen Opfer und Täter.

>>>> Warum werden in Österreich so viele Frauen getötet? Diese Ursachen identifiziert Gewaltschutz-Expertin Maria Rösslhumer

Erkenntnis 3: Gewalt abnehmend – doch es gibt eine Ausnahme



Insgesamt hat im langjährigen Vergleich in Österreich die Gesamtkriminalität nicht zugenommen – im Gegenteil. 2017 wurden laut dem Bundeskriminalamt 510.536 Anzeigen erstattet, das sind gut 5 Prozent weniger als im Jahr davor. Noch stärker fällt die Abnahme im Vergleich zu den Nullerjahren aus. Vor 2010 hatte die Zahl der Anzeigen immer deutlich über der Schwelle von 570.000 gelegen.

Auch die Gewaltkriminalität ist 2017 leicht zurückgegangen (-2,4%). Dabei gibt es jedoch eine gewichtige Ausnahme: Delikte mit Hieb- und Stichwaffen haben stark zugenommen. Waren es 2008 noch 272 Fälle, gingen vergangenes Jahr ganze 1.060 Anzeigen ein. "Bei den Tätern handelt es sich verstärkt um fremde Tatverdächtige, aber auch die Zahl der inländischen Tatverdächtigen ist in den letzten zehn Jahren gestiegen", heißt es in der Polizeilichen Kriminalstatistik dazu.



(Quelle: Bundeskriminalamt)

Erkenntnis 4: "Big Five" verändern sich



Unter dem Begriff Big Five fasst das Bundeskriminalamt die fünf Kriminalitätsfelder mit dem größten Einfluss auf das Sicherheitsempfinden der Gesellschaft zusammen. Dazu gehören neben bestimmten Gewaltdelikten auch Einbrüche, Auto-Diebstähle, Internet- und Wirtschaftskriminalität.

Dabei zeigen sich insbesondere in zwei Bereichen drastische Veränderungen: Der Diebstahl von Kraftfahrzeugen hat sich zwischen 2009 und 2017 um mehr als zwei Drittel reduziert. Im gleichen Zeitraum nahmen die Cyberdelikte – also Straftaten, die an IT-Systemen oder Daten begangen werden –, massiv zu.



(Quelle: Bundeskriminalamt)

Erkenntnis 5: Täter kommen seltener davon



Das Bundeskriminalamt macht in seiner Statistik weiters auf eine positive Entwicklung aufmerksam: Erstmals in der Geschichte Österreichs wird mehr als jede zweite Straftat aufgeklärt. Betrug die Aufklärungsquote 2008 noch 38,2 Prozent, stieg sie in den Jahren danach kontinuierlich – auf 50,1 Prozent im Jahr 2017. (chk/ jbu)

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