Ausstellungseröffnung

Kritik an Machthabern brachte Künstler ins Gefängnis

Scharfer Humor, klare Kritik und erstaunlich aktuell: Die Albertina zeigt ab 6. Februar 200 Werke aus dem 19. Jahrhundert von Honoré Daumier.
Anna Wallinger
05.02.2026, 14:33
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Träge, selbstgefällig und ständig am Reden, ohne wirklich etwas zu sagen – so stellt Honoré Daumier im 19. Jahrhundert die Abgeordneten als Nasenbohrer seiner Zeit dar. Der französische Maler und Karikaturist war ein scharfer Beobachter mit spitzer Feder und feinem Humor. Dennoch ist er heute weitgehend in Vergessenheit geraten, wie Albertina-Direktor Ralph Gleis bei der Pressekonferenz zur neuen Ausstellung feststellte. Umso schöner, dass Daumiers Werke nun von 6. Februar bis 25. Mai in den prunkvollen Räumen der Albertina zu sehen sind.

Politische Unsicherheit, Machtmissbrauch, wirtschaftliche Probleme und eine immer komplizierter werdende Gesellschaft – das klingt erschreckend aktuell. Doch es geht nicht um das Jahr 2025, sondern um Frankreich im 19. Jahrhundert, eine Zeit voller Revolutionen und Umbrüche. Daumier nahm diese Zustände in seiner Kunst schonungslos aufs Korn und bezahlte dafür sogar mit einer Gefängnisstrafe. Seine Themen? Offenbar aktueller denn je.

Künstler wegen Kritik in Haft

Daumier begleitete Frankreich auf dem langen Weg von der Monarchie zur Republik – mit einem kritischen, aber immer zutiefst menschlichen Blick auf seine Zeit. So reagierte er auf die strengen Zensuren nach der Julirevolution von 1830 mit pointierten Karikaturen, in denen er die Pressefreiheit – und ihre Grenzen – offen thematisierte. 1832 musste er wegen seiner politischen Kritik sogar für sechs Monate ins Gefängnis Sainte-Pélagie. Eine seiner Lithografien zeigt die vergleichsweise milden Haftbedingungen dort.

Der Maler arbeitete unter anderem für die Zeitschrift La Caricature. Nach einem Attentat auf König Louis-Philippe wurde die Zensur jedoch weiter verschärft und das Blatt eingestellt. Ab 1835 waren Darstellungen des Königs und seiner Familie sowie kritische Berichterstattung weitgehend verboten.

Der Grafiker schuf über 4.000 Lithografien für Pariser Zeitschriften und griff in seinen Gemälden große literarische Themen auf. So erkannte er in den rastlosen Kämpfen gegen Ungerechtigkeit der Romanfigur Don Quijote einen Spiegel seiner selbst. Rund 200 seiner Werke, darunter auch das Gemälde "Don Quijote und Sancho Panza", sind nun in der Albertina zu sehen.

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