Mehr als 200.000 Menschen besuchen 2019 die Auftritte der großen Abschiedstournee "1.000 Jahre EAV". Am 14. September fällt schließlich in der Wiener Stadthalle der letzte Vorhang für die mehr als vier Jahrzehnte dauernde Bühnenlaufbahn der Ersten Allgemeinen Verunsicherung.
Klaus Eberhartinger, Thomas Spitzer und ihre Bandkollegen verabschieden sich unter großem Jubel mit dem Mitpfeif-Klassiker "Morgen (fang ich ein neues Leben an)".
Als Grund für das Ende nennen die beiden prägenden Köpfe der EAV eine Mischung aus persönlichen, gesundheitlichen und altersbedingten Motiven. Die Musiker wollen zu einem Zeitpunkt aufhören, an dem sie ihre Konzerte noch mit voller Kraft spielen können.
Statt weiterzumachen, bis das Niveau irgendwann sinkt, möchten sie selbst bestimmen, wann und wie die lange Geschichte der Band endet.
Eberhartinger und Spitzer verstehen das Ende der Tournee zugleich als Aufbruch in einen wohlverdienten "Unruhestand". Spitzer macht in Gesprächen deutlich, dass hinter dem Schlussstrich keine Enttäuschung darüber stecke, dass die gesellschaftskritischen Lieder der vergangenen Jahrzehnte die Welt nicht entscheidend verändern konnten.
Nach mehr als 40 Jahren und dem letzten Studioalbum "Alles ist erlaubt" sei für ihn vielmehr der Punkt erreicht gewesen, an dem die EAV künstlerisch alles erzählt hatte.
In den Jahren nach dem Abschied wird es besonders um Klaus Eberhartinger still. Anfang 2021 tritt er noch in der ersten Staffel von "The Masked Singer Austria" auf und wird dort als "Wildschwein" enttarnt. Anschließend zieht er sich beinahe vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. In seiner Wahlheimat Kenia findet er zudem spätes Familienglück.
Auch Thomas Spitzer nimmt sich nach der großen Abschiedsrunde zunächst zurück. Gemeinsam mit seiner jungen Familie reist er quer durch Europa. Gelegentlich meldet er sich mit kurzen Reisegedichten auf Instagram zu Wort. Längere Texte veröffentlicht er in seinem Buch "Herz auf Reisen".
Erst in jüngerer Vergangenheit ist Spitzer wieder häufiger mit der Gitarre zu sehen. Zuletzt steht er etwa beim Geburtstags-Open-Air gemeinsam mit Boris Bukowski in Purkersdorf (NÖ) auf der Bühne. Möglicherweise ist es genau diese neue musikalische Lust, die ihn nun vorsichtig mit einem Comeback der EAV spielen lässt.
Auf Instagram streut Spitzer jedenfalls mit gewohnt lockerem Ton neue Hoffnung. "Vor sieben Jahren taggenau, vereendete die EAV. Doch wer zu lage kompostiert, ist selten noch reinkarniert. Drum quasi als finaler Gag, wär keck: ein Lazarus-Comeback [Jesus erweckte Lazarus nach vier Tagen im Grab durch einen lauten Ruf von den Toten, Anm.]", grinst der inzwischen 73-Jährige im Video.
Spitzer legt nach: "Himmel, Arsch und Wolkenbruch, gibt's doch noch einen Neuversuch? Ich kann dazu nur eines sagen: Niemals sollt ihr mich befragen."
Die EAV hatte nach ihrer Abschiedstour zwar stets geschlossen erklärt, dass sie sich eine klassische Rückkehr auf die Bühne nicht vorstellen könne. Neue Musik schlossen die Beteiligten jedoch nie ausdrücklich aus. Einen Beweis dafür liefert Spitzer bereits 2021, als er unter dem Namen EAV das Album "Ihr Sünderlein kommet" aufnimmt.
Unter seinem aktuellen Video häufen sich inzwischen die Reaktionen jener Fans, die von einer Rückkehr der Band träumen. Viele machen deutlich, dass sie sofort wieder dabei wären: "Die EAV war bzw. ist noch immer meine absolute Lieblingsband, also ich würde mich über eine Rückkehr freuen...."
Ein anderer Nutzer zieht einen Vergleich mit einer der langlebigsten Rockbands der Welt: "Das wäre legendär... Ich hab 96 die Rolling Stones auf der 'letzten' Tour gesehen... Jetzt rocken sie noch immer...... Was der Jagger/Richards kann, kann der Spitzer/Eberhartinger schon lange".
Noch deutlicher fällt dieser Wunsch aus: "Bitte unbedingt!!! Bei dem ganzen weltweiten Pfurzkack habt ihr als Band doch massenhafte Themen und Ideen 💡 ich würde vorschlagen: Auf die nächsten 1000 Jahr der EAV."
Ob hinter Spitzers Reimen tatsächlich mehr als ein augenzwinkerndes Gedankenspiel steckt, lässt er offen. Allein die vorsichtige Andeutung genügt jedoch, um bei vielen Fans sieben Jahre nach dem Bühnenabschied neue Hoffnung auf die EAV zu wecken.