Vor der Generaldirektion der Pensionsversicherung (PVA) in der Webergasse 4 in Wien-Brigittenau gingen nun Beschäftigte mehrerer Suchthilfe-Einrichtungen auf die Straße. Die Betriebsräte von Dialog, Suchthilfe Wien sowie der Sucht- und Drogenkoordination Wien hatten zur Kundgebung aufgerufen.
Hintergrund ist der Ausstieg der Pensionsversicherung aus dem Projekt "Alkohol, Leben können". Die Suchthilfe-Einrichtungen betonen, dass die PVA das Angebot bisher maßgeblich mitfinanziert habe. Durch das Projekt seien Menschen mit Alkoholerkrankungen niederschwellig und langfristig erreicht worden.
Die Einrichtungen sehen die Versorgung von Betroffenen zunehmend gefährdet. Bereits in den vergangenen Monaten seien Unterstützungsangebote reduziert worden. Der Rückzug bei Rehabilitationsmaßnahmen im Alkoholbereich verschärfe die Lage zusätzlich. Für Betroffene bedeute das unter anderem weniger Therapieplätze, längere Wartezeiten und schlechtere Chancen auf eine erfolgreiche Stabilisierung.
Zudem warnen die Organisationen vor steigenden Folgekosten. Versorgungslücken würden langfristig zu höherem Arbeitsaufwand und zusätzlichen Kosten im Gesundheitssystem führen. Gefordert werden daher die Wiederaufnahme der Finanzierung von Alkoholtherapien sowie eine nachhaltige Absicherung von Suchthilfe- und Rehabilitationsangeboten.
Unterstützung kommt von den Wiener Grünen. Parteivorsitzende Judith Pühringer kritisierte die Einsparungen scharf: "Das Kaputtsparen der Arbeitsmarktintegration und der Therapie für alkoholkranke Menschen ist extrem kurzsichtig, brutal für die Betroffenen und wird mittelfristig deutlich höhere Kosten für die Gesellschaft verursachen." Kritisch sieht Pühringer vor allem die Diskussion über die Zuständigkeiten zwischen Stadt Wien und Pensionsversicherung. "Dieses Pingpong-Spiel auf dem Rücken der betroffenen Menschen ist erbärmlich."
Auch die Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen, Barbara Huemer, übte Kritik an der Stadtregierung: "Man muss es in aller Deutlichkeit sagen: Die Stadtregierung kürzt hier erneut auf Kosten von kranken Menschen. Die Stadtregierung hat völlig versagt, eine adäquate Suchttherapie für Alkoholkranke auf die Beine zu stellen." Die Suchthilfe-Einrichtungen warnen vor einer Verschlechterung der Versorgung. Ob die Finanzierung der Alkoholtherapien wieder aufgenommen wird, ist derzeit offen.