Alexander Zverev (29) steht kurz davor, erstmals die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste zu werden. Doch ausgerechnet jetzt muss der Deutsche einen bitteren Rückschlag hinnehmen. Beim ATP-1000-Turnier in Shanghai ist für ihn überraschend im Halbfinale Endstation.
Zverev verliert am Samstag gegen den Spanier Alejandro Davidovich Fokina, die Nummer 18 der Welt, mit 7:5, 4:6 und 3:6. Nach einem gewonnenen ersten Satz gibt der Deutsche die Partie noch aus der Hand und verpasst damit den Einzug ins Finale. Dort trifft Davidovich Fokina am Sonntag auf Landsmann Rafael Jodar oder Daniil Medvedev aus Russland.
Für zusätzlichen Ärger sorgt eine Szene im zweiten Satz. Beim Stand von 2:2 diskutiert Zverev mit dem Schiedsrichter über eine zuvor verhängte Zeitstrafe. Der Deutsche erklärt, er habe seine Aufschlagbewegung unterbrochen, weil sein Gegner zum Handtuch gegriffen habe.
"Ich war an meiner Linie, er war nicht bereit", beschwert sich der Tennis-Star. Doch der Schiedsrichter bleibt bei seiner Entscheidung. Wenig später kippt die Partie endgültig zugunsten des Spaniers.
Trotz der Niederlage darf sich Zverev auf einen historischen Moment freuen. Weil der aktuelle Weltranglisten-Erste Jannik Sinner in diesem Jahr kein Match mehr bestreiten wird, steht der Deutsche vor dem Sprung an die Spitze des Rankings. Zuletzt war das seinem Landsmann Boris Becker vor 35 Jahren gelungen. Es könnte schon beim ATP-Turnier in der Wiener Stadthalle Ende Oktober so weit sein.
Zverev hat sich diese Ausgangslage mit einer starken Saison erarbeitet. Im Juni holte er bei den French Open seinen ersten Grand-Slam-Titel, im September triumphierte er auch bei den US Open. Nun fehlt nur noch der Sprung auf den Tennis-Thron. Die bittere Shanghai-Pleite kann seine Vorfreude darauf zumindest vorerst nicht ganz trüben.