Tierische Studie

Gelächter! Nur deshalb können wir überhaupt sprechen

Lachen verbindet Menschenaffen seit Millionen Jahren. Eine neue Studie zeigt, wie daraus die Grundlage für menschliche Sprache entstand.
Heute Tierisch
26.06.2026, 07:16
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Lachen ist keine reine Erfindung vom Menschen. Auch alle anderen Menschenaffen können lachen – und zwar in ähnlichen Situationen wie wir: beim Spielen, beim Kitzeln und im sozialen Miteinander. Lachen zählt damit zu den wenigen Lauten, die bei allen lebenden Menschenaffenarten erhalten geblieben sind.

Gerade das macht das Lachen für die Wissenschaft besonders spannend. Es gilt als Fenster in die Vergangenheit. So lässt sich erforschen, wie die Vorfahren der Menschenaffen kommuniziert haben und wie sich aus einfachen Lauten im Laufe der Zeit unsere Sprache entwickelt hat.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Ein Forschungsteam aus Großbritannien hat sich das Lachen bei allen fünf lebenden Menschenaffenarten ganz genau angeschaut: Orang-Utans, Gorillas, Bonobos, Schimpansen und Menschen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachblatt "Communications Biology" veröffentlicht.

140 Lachsequenzen

Das Team analysierte Videoaufnahmen von vier Orang-Utans, zwei Gorillas, drei Bonobos, vier Schimpansen und vier menschlichen Kindern – alle waren zwischen sechs Monaten und sieben Jahren alt. Untersucht wurden zwei Situationen: gemeinsames Spielen und Kitzeln. Insgesamt konnten so 140 Lachsequenzen ausgewertet und die Abstände zwischen den einzelnen Lauten genau gemessen werden.

„Die Tiere wurden von Personen gekitzelt, die sie kannten und denen sie vertrauten – etwa ihren Tierpflegern. Denn auch bei Menschenaffen gilt: Wenn ein Fremder versucht, einen zu kitzeln, ist man meist nicht sehr begeistert davon“
Chiara De GregorioPrimatologin, Erstautorin Studie Universität Warwick

Beim Kitzeln lacht etwa ein junger Gorilla, zieht den Fuß weg und hält ihn gleich darauf wieder hin, um sich erneut kitzeln zu lassen.

Komplett gleicher Rhythmus

Die wichtigste Erkenntnis: Das Lachen aller untersuchten Arten folgt einem gleichmäßigen Grundrhythmus – in der Fachsprache nennt man das Isochronie. Das heißt, die Lachlaute kommen in regelmäßigen, gleichmäßigen Abständen, fast wie das Ticken einer Uhr oder eines Metronoms. "Unser Lachen und das Lachen von Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans haben dieselbe rhythmische Grundstruktur", sagt De Gregorio.

Weißt du welche Tiere sich im Spiegel erkennen? Klick dich durch:

Diese Isochronie dürfte es laut dem Forschungsteam schon seit dem letzten gemeinsamen Vorfahren aller Menschenaffen geben – also seit mindestens 15 Millionen Jahren.

Je jünger die Art, desto schneller das Lachen

Trotzdem hat sich das Lachen im Laufe der Evolution weiterentwickelt. Die Forscher konnten einen klaren Trend erkennen: Je näher eine Art mit dem Menschen verwandt ist, desto schneller und flexibler wird das Lachen. Orang-Utans, die am weitesten entfernt sind, lachen am langsamsten und gleichförmigsten. Schimpansen und Bonobos, die uns sehr nahe stehen, kommen dem menschlichen Lachen schon viel näher. Wir Menschen sind an der Spitze dieser Entwicklung.

„Unsere Verwandten sind im Lach-Rhythmus ziemlich festgelegt, wir Menschen dagegen können das Tempo verändern. Wir können schneller oder langsamer lachen – das gibt’s bei anderen Menschenaffen so nicht“

Kichern, lachen, brüllen

Auffällig ist auch: Nur Menschen passen ihr Lachen aktiv an die jeweilige Situation an. Beim Kitzeln lachen sie schneller als beim Spielen. Bei keiner anderen untersuchten Art wurde das beobachtet. De Gregorio meint dazu: "Ein kleines, höfliches Lachen vor einer bedeutungsvollen Person klingt bei Menschen völlig anders als wenn man mit Freunden zusammensitzt. Wir setzen Lachen für so viele Dinge ein in einem sozial sehr komplexen Umfeld, dass wir es im Laufe der Zeit an die Situation angepasst haben."

Was hat das Lachen jetzt mit der Entstehung der Sprache zu tun? Laut der Primatologin mehr, als viele glauben. Die Fähigkeit, Laute flexibel und situationsabhängig zu steuern, ist eine wichtige Voraussetzung für Sprache – und genau diese Fähigkeit hat sich beim Menschen offenbar Schritt für Schritt entwickelt.

Sprache hat sich langsam entwickelt

"Es ist nicht so, dass der Stimmtrakt anderer Primaten nicht dazu in der Lage wäre, sprachähnliche Laute zu produzieren. Das Problem ist vielmehr die Kontrolle – die Art, wie wir unseren Mund und unsere Zunge präzise steuern können. Da wir jetzt sehen, wie das Lachen im Laufe der Evolution variabler wird, hängt das wahrscheinlich auch mit der Entwicklung einer größeren stimmlichen Kontrolle zusammen."

Die Ergebnisse legen nahe, dass diese Kontrolle nicht plötzlich da war, sondern sich langsam entwickelt hat. "Es ist durchaus möglich, dass es menschliche Vorfahren gab, die zwar schon eine stimmliche Kontrolle hatten, die aber noch nicht ganz ausgereift war – also irgendwo zwischen uns und den heutigen Menschenaffen. Das hilft bei der Vorstellung, wie unsere Vorfahren kommuniziert haben könnten – und was schließlich zur Entstehung menschlicher Sprache geführt hat."

Das Forschungsteam sieht die aktuelle Studie als ersten Schritt hin zu einem besseren Verständnis der Entstehung der Sprache. Es braucht laut De Gregorio aber noch weitere Untersuchungen mit mehr Tieren, um die Ergebnisse in den nächsten Jahren zu bestätigen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 26.06.2026, 07:16
Jetzt E-Paper lesen