Seit 2022 lebt der Eber "Zazou" gemeinsam mit rund 40 anderen Schweinen auf Gut Aiderbichl in Henndorf. Er ist nicht einfach nur ein Bewohner, sondern Teil eines spannenden Forschungsprojekts. In Zusammenarbeit mit der Universität Padua wird hier erforscht, wie Schweine denken und lernen.
Bei der Studie geht es dabei vor allem um die Frage, ob Schweine ein Verständnis für abstrakte Mengen haben – also ob sie viel von wenig unterscheiden können – und ob sie in der Lage sind, eine Reihenfolge zu erkennen. Die Tierärztin und Verhaltensforscherin Marianne Wondrak erklärt: "Da geht es eigentlich um die Frage: Haben Tiere, in unserem Fall Schweine, ein Verständnis von ganz abstrakten Mengen, also viel gegen wenig? Und um die Frage, ob sie eine Reihenfolge abzählen können. Also darum, ob sie eine bestimmte Position innerhalb einer Reihe erkennen können."
Damit die Forscher das herausfinden, müssen die Schweine verschiedene Tests machen. Eber "Dragomir" zum Beispiel kann sich genau merken, in welcher Schüssel – also an welcher Position – im Raum ein Apfelstück versteckt ist. Das ist schon fast wie Zählen.
"Zazou" wiederum kann sehr wohl zwischen viel und wenig unterscheiden. Er beweist das, indem er mit seinem Rüssel auf einem Touchscreen jenes Bild auswählt, auf dem mehr Punkte zu sehen sind.
„Wir trainieren unsere Schweine nicht, indem wir ihnen die Lösung zeigen, sondern sie müssen das ganz alleine herausfinden. Sie wissen, wie der Touchscreen funktioniert. Aber welches das Bild mit den vielen oder wenigen Punkten ist, müssen sie selbst herausfinden.“
Das Forschungsprojekt läuft seit dem vergangenen Jahr. Damit das alles funktioniert, braucht es engagierte Studierende. Neda Aleksiejute aus Litauen ist schon mehrfach in Henndorf mit dabei. Sie sagt: "Für mich ist es besonders spannend zu sehen, dass jedes Schwein eine eigene Persönlichkeit hat. In einer so großen Gruppe kann man gut sehen, wie unterschiedlich sie sind."
Schweine leben sozial, lernen voneinander und zeigen richtig komplexe Fähigkeiten. Genau das macht sie für die Forschung so spannend, meint Wondrak: "Ich habe das Gefühl, wir kratzen immer noch so sehr an der Oberfläche." Schweine sind jedenfalls ein wichtiger Baustein, um besser zu verstehen, wie Intelligenz entsteht und wie wir auch unser eigenes Denken erklären können. Wie gescheit Schweine wirklich sind, ist also noch lange nicht ganz erforscht.