Die Anrainer bei der Station Neu Erlaa in Wien-Liesing waren mit den Nerven am Ende. Grund dafür war ausgerechnet eine Sicherheitsmaßnahme vor einem Bahnübergang: Dort warnt ein neues Läutwerk Fahrgäste und Autolenker seit Ende der Sommerbaustelle auf der Triester Straße vor herannahenden Zügen der Badner Bahn – mit 82 Dezibel und rund 250 Mal pro Tag.
Nach nicht einmal zwei Wochen ist nun Schluss damit: Die Glocke der Badner Bahn laut Bezirksvorsteher Gerald Bischof wurde am Mittwoch (23.9.) abgedreht. "Mir war es ein Anliegen, dass die Glocke abgeschaltet wird", so Bischof zu "Heute".
Das Läutwerk hatte seit seiner Inbetriebnahme für ordentlich Ärger in der Nachbarschaft gesorgt. Die Glocke sollte Fahrgäste und Verkehrsteilnehmer beim Queren der Gleise vor herannahenden Zügen warnen. "Ich habe von Anfang an Kontakt mit den Anrainern gehabt", so der Bezirksvorsteher.
Grund für den schrillenden Quälgeist war die rechtliche Sonderstellung der Badner Bahn. Während sie bis Wien-Meidling wie eine Straßenbahn unterwegs ist, gilt sie auf der weiteren Strecke als Eisenbahn – und unterliegt dann auch dem Eisenbahngesetz. Die mechanische Glocke war eine Sicherheitsauflage der MA 64.
Doch die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen müssten gar nicht sofort umgesetzt werden, so Bischof. Laut dem Bezirksvorsteher sieht der entsprechende Bescheid dafür einen Zeitraum von fünf Jahren vor. Nach Abstimmung mit der MA 64 und den Wiener Lokalbahnen fiel nun die Entscheidung: Die Glocke wird wieder abgedreht. Damit bleibt Zeit, um eine andere Lösung für den Bahnübergang zu finden.
"Jetzt haben wir, wie vorgesehen, fünf Jahre Zeit, um geeignete Sicherheitsmaßnahmen zu finden", so Bischof zu "Heute". "Eines ist sicher: Es wird keine mechanische Glocke in der Lautstärke mehr hinkommen." Als Alternative wäre etwa eine elektrische Glocke mit regelbarer Lautstärke denkbar. Die Anrainer in Liesing können jetzt wieder ruhig schlafen.