Bei den Kommunalwahlen in Frankreich hat die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) in der ersten Runde so gut abgeschnitten wie nie zuvor. RN-Kandidaten lagen in 58 Kommunen vorn, wie das Innenministerium nach Auszählung eines Großteils der Stimmen mitteilte.
RN-Fraktionschefin Marine Le Pen sprach bereits von einem "riesigen Sieg" für die Partei. Parteichef Jordan Bardella zeigte sich zuversichtlich: Viele RN-Kandidaten hätten "gute Aussichten auf einen Sieg" in der zweiten Runde am kommenden Sonntag.
Die Ergebnisse gelten als richtungsweisend für die Präsidentschaftswahl in gut einem Jahr. Allerdings lässt sich das Resultat nur beschränkt auf die nationale Lage übertragen, da viele Kandidaten bei Kommunalwahlen ohne Partei-Zugehörigkeit antreten.
In Paris lag nach Hochrechnungen der sozialistische Kandidat Emmanuel Gregoire mit rund 36 Prozent weit vorn, vor der konservativen Ex-Kulturministerin Rachida Dati mit 25 Prozent. Dati muss sich im September in einem Korruptionsprozess verantworten.
In der Hafenstadt Marseille, der zweitgrößten Stadt des Landes, lagen der sozialistische Amtsinhaber Benoit Payan und RN-Kandidat Franck Allisio nach Hochrechnungen gleichauf. Ein RN-Sieg dort hätte hohe Symbolkraft.
Im südfranzösischen Toulon führte RN-Abgeordnete Laure Lavalette mit rund 39 Prozent vor der unabhängigen Amtsinhaberin. Bereits im Amt bestätigt wurden RN-Bürgermeister in Perpignan, Henin-Beaumont und Frejus.
Die Wahlbeteiligung lag bei nur rund 57 Prozent - ein historisches Tief, wenn man von der Corona-Wahl 2020 absieht. Der Wahlkampf war zuletzt vom Beginn des Iran-Kriegs überschattet worden.
In der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag wird es darauf ankommen, wer mit wem ein Bündnis eingeht oder sich aus taktischen Gründen zurückzieht.