Laut der Kompetenzmessung "iKMPLUS" sind die heimischen Volksschüler in allen erhobenen Bereichen besser als noch vor drei Jahren. Besonders in Mathematik waren die Ergebnisse ordentlich, in Deutsch sieht die Lage ganz anders aus – "Heute" berichtete.
Im Bundesländer-Vergleich treten allerdings starke Unterschiede auf: Besonders Wien schneidet leider nicht gut ab. In der Bundeshauptstadt konnten nur 77 Prozent die Standards in Mathematik erfüllen. Zudem erreichte nicht einmal jeder zweite Volksschüler (48 Prozent) die Anforderungen in Deutsch (Lesen).
Besonders die sozioökonomische Ausgangslage (SÖL) einer Schule hat einen Einfluss auf die Leistungen der Schüler. Betrachte man Schulen mit vergleichbaren sozialen Rahmenbedingungen, erzielen Wiener Schulen mindestens gleich gute und teilweise sogar bessere Ergebnisse als andere Bundesländer, heißt es in einer Aussendung von Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos).
"Die Ergebnisse sind nicht überraschend und bestätigen, worauf wir seit Jahren hinweisen. Wien steht aufgrund seiner sozialen Zusammensetzung und der vielen Kinder mit anderen Erstsprachen vor besonders großen Herausforderungen", so Emmerling.
In den vergangenen Jahren mussten Wiener Schulen zudem zahlreiche zusätzliche Aufgaben bewältigen. Neben den Nachwirkungen der Corona-Pandemie gab es auch neue Fluchtbewegungen. Allein rund 4.000 ukrainische Kinder wurden in das Wiener Schulsystem integriert.
Diese Entwicklungen prägen den Schulalltag und stellen Schulen, Pädagogen sowie Kinder vor große Herausforderungen: "Deshalb haben wir seit Beginn der Regierungsarbeit in Wien wiederholt Maßnahmen vom Bund eingefordert, doch die damalige Bundesregierung hat hier notwendige Schritte verschlafen", meint die Stadträtin.
Wien habe im eigenen Wirkungsbereich dennoch gegengesteuert und gezielt Deutschförderung, Deutschkurse für Schulneulinge und zusätzliche weitere Lernangebote ermöglicht und ausgebaut. Nachdem die Sommerdeutschkurse im vergangenen Jahr komplett ausgebucht waren, soll das Angebot 2026 sogar verdreifacht werden. Zusätzlich wird die Sprachförderung bereits im Kindergarten verstärkt, um Kinder früher zu unterstützen.
Integration im Bildungssystem müsse besser planbar werden: "Gerade diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Integration im Bildungssystem besser planbar zu machen. Deshalb fordern wir seit langem eine bundesweite Residenzpflicht. Sie würde Schulen entlasten und dafür sorgen, dass Kinder von Anfang an bestmöglich unterstützt werden", so die Vizebürgermeisterin.
Mit dem Chancenbonus würden künftig zudem gezielt jene Schulen unterstützt, die unter besonders herausfordernden Bedingungen arbeiten. Auch SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer weist auf die zentrale Rolle des Chancenbonus' hin: "Die Ergebnisse bestätigen, dass gezielte Unterstützung für Schulen mit herausfordernden sozialen Rahmenbedingungen entscheidend ist. Jedes Kind soll unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund die gleichen Chancen auf gute Bildung haben."