Es wird immer deutlicher: Es gibt einige Zonen in Wien, in denen Lehrer vor gravierenden Problemen in der Vermittlung von Sprache und Wissen stehen. Victoria K. (Name der Redaktion bekannt), eine besorgte Mutter aus Wien-Meidling, hat sich bei uns gemeldet, sie schildert die Erlebnisse ihrer Tochter.
Das größte Problem ist die Sprache: Am Anfang der Volksschule gab es vier Kinder mit Muttersprache Deutsch in der Klasse. "Aber die Eltern waren entsetzt über das Sprachniveau, die restlichen Kinder konnten überhaupt kein Deutsch." Die anderen Familien flüchteten nach wenigen Monaten in Privatschulen: "Unsere Tochter blieb als einzige Deutschsprechende in der Klasse."
Die Sorgen der dreifachen Mutter sind rasch weitergewachsen: "Unsere Tochter hat das Reden verlernt, schon bald hat sie keine Artikel mehr verwendet – das war kein Deutsch mehr!" Sie erzählt weiter: "Nach einem Jahr Volksschule konnte niemand in der Klasse das ABC bis zum Ende."
Positiv merkt Victoria K. an: "Die ukrainischen Flüchtlinge, die wir kennengelernt haben, die haben nach vier Monaten schon mitreden können."
Wien-Meidling ist einer der kulturellen Schmelztiegel Wiens. "Da sind Familien um uns, die leben seit Generationen in Österreich, aber sie können kein Deutsch", sagt Victoria K. "Von anderen Familien weiß ich, da haben die Eltern die Matura in Wien gemacht, aber mit ihren Kindern sprechen sie kein Deutsch."
Ein weiteres Problem in der Klasse waren die Freundschaften. "Unsere Tochter wurde in dieser Zeit kein einziges Mal zu anderen Mädchen eingeladen", sagt Victoria K., "trotzdem hat sie einige Kinder gerne gehabt." Einmal, erinnert sich die Mutter, hatten sie einige Mädchen in einen Indoor-Spielplatz mit Trampoline eingeladen: "Eine Mutter hat sofort abgesagt, 'nein, das machen wir nicht', andere meinten, das ginge wegen der Bekleidung nicht." Was war gemeint? "Da müssten sie eine Leggings anziehen, das haben die Eltern verboten."
Fast schon resignierend sagt K.: "Aber es gibt bei uns im Umfeld noch viel schlimmere Schulen."
Dennoch war für die besorgte Mutter bald klar: Sie will ihre Tochter unbedingt nach der ersten Klasse in eine andere Schule geben. Aktuell besucht das Mädchen eine Privatschule („das ist 100 zu eins“). Sie liegt einige Bezirke entfernt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert die Fahrt etwa eine dreiviertel Stunde: "Sie hat die erste Klasse noch einmal gemacht, die waren schon sehr weit hinten."