Der 33-jährige Akademiker lebt heute mit seiner Frau und dem vierjährigen Sohn in Graz. Der schreckliche Krieg brachte ihn nach Österreich. Vitalii Z. ist einer von 90.000 Ukrainern, die zu uns geflüchtet sind, nachdem Putins Truppen vor genau vier Jahren die Ukraine angriffen.
Für den Ex-Unternehmer war von Anfang an klar: "Wir wollen hier nicht von Sozialleistungen leben." Er lernte sofort Deutsch, erreichte Niveau A2 und suchte aktiv Arbeit. "Mein Ziel war klar: arbeiten, Steuern zahlen, unabhängig sein."
Der studierte Logistiker nahm den Job, den er bekam. Er wurde Fahrer bei einem Paketdienst, er war zufrieden. Die große Hoffnung entwickelte sich allerdings jetzt für ihn zum Albtraum. "Was zunächst wie eine Chance auf Integration und Stabilität aussah, entpuppte sich als riskantes Konstrukt aus Auftraggebern, Subunternehmern und administrativen Zwischenfirmen."
Zwei Monate arbeitete Vitalii. Der erste Lohn kam viel zu spät und es fehlte ein beachtlicher Teil. "Für den zweiten Monat – mit zahlreichen Überstunden – erhielt ich bis heute keinen Cent. Rund 3.000 Euro stehen aus."
Dann verlor sein Auftraggeber den Vertrag mit dem großen Paketdienstleister. Für Vitalii bedeutete das das abrupte Aus: "Keine Arbeit . Kein Einkommen. Keine Rücklagen. Keine Absicherung."
Weil er kürzer als ein Jahr beschäftigt war, bekommt er derzeit keine AMS-Leistungen. Auch von anderer Stelle erhält er keine Unterstützung. Die finanzielle Lage ist dramatisch. "Meine Familie lebte zuletzt von 990 Euro im Monat. Für drei Personen. Unsere Miete beträgt 600 Euro. Es bleiben 390 Euro für Strom, Heizung, Internet, Mobiltelefonie, öffentliche Verkehrsmittel und Lebensmittel. Eine Rechnung, die nicht aufgeht."
Dabei betont Vitalii, dass ihn am Jobverlust keine Schuld trifft. Er sei weiterhin bereit, hart zu arbeiten. Sein Ziel bleibe die volle Integration. Die Sprache hat er gelernt, jetzt fehlt nur die Arbeit, um seine Familie ernähren zu können. Doch trotz viel diskutiertem Arbeitskräftemangel findet er derzeit keine neue Stelle.
"Was mich am meisten belastet, ist nicht nur der finanzielle Verlust, sondern das Gefühl, trotz Arbeit, Ausbildung und vollem Einsatz plötzlich in einer Situation zu stehen, in der man ohne Schutz dasteht. Ich möchte hier arbeiten, Steuern zahlen und Teil der Gesellschaft sein – nicht als Bittsteller, sondern als jemand, der Verantwortung übernimmt und langfristig seinen Platz in Österreich findet", sagt Vitalii.