Mutter verzweifelt

"Keiner spricht Deutsch" – Mädchen muss Schule wechseln

Die Sprachprobleme an Wiener Schulen sind enorm. Eine Mutter sieht sich gezwungen, ihre Tochter auf eine Privatschule zu schicken.
Österreich Heute
26.02.2026, 21:59
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Die öffentliche Volksschule lag nur wenige Minuten von der Wohnung entfernt. Ein schönes Gebäude, ein freundlicher Pausenhof, ein engagiertes Lehrerteam. Für Sabine G. (Name von der Redaktion geändert) schien alles zu passen, als sie ihre Tochter Lena mit sechs Jahren dort anmeldete. Doch schon nach den ersten Wochen kamen ihr Zweifel.

Heute ist Lena sieben Jahre alt. Und besucht eine Privatschule. Der Grund für den Schulwechsel beschäftigt viele Eltern in Wien: die Sprachprobleme in den Klassen.

Deutsch fehlt – Unterricht leidet

"In Lenas Klasse konnten nur vier Kinder Deutsch", erzählt Sabine G. Laut der dreifachen Mutter seien die Lehrkräfte permanent damit beschäftigt gewesen, zu erklären und zu übersetzen. Für regulären Unterricht sei kaum Zeit geblieben. Das habe sich deutlich auf den Lernerfolg ihrer Tochter ausgewirkt.

Nach einem Jahr Volksschule konnte Lena das ABC nicht. Gleichzeitig wiederholten fünf oder sechs Kinder die erste Schulstufe. Für die Mutter war das ein deutliches Warnsignal.

Kinder bleiben Sitzen

In der zweiten Klasse verschärfte sich die Situation weiter. Ein neunjähriger Bub saß noch immer in der zweiten Schulstufe. Er war zweimal sitzengeblieben – laut Sabine wegen fehlender Deutschkenntnisse. Damit saßen Kinder mit großem Altersunterschied in einer Klasse. Auch bei Interessen und Reife gab es deutliche Unterschiede.

Der Wendepunkt kam schließlich im Alltag zu Hause. Lena weigerte sich plötzlich, Schnitzel zu essen. Schweinefleisch sei "unrein", habe sie von Mitschülern gehört. Für die Mutter war das mehr als eine Essensfrage.

"Ich hatte das Gefühl, mein Kind wird stark beeinflusst", sagt sie. Als Lena im Sommer plötzlich keine kurze Kleidung mehr tragen wollte, war für Sabine das Fass endgültig übergelaufen.

Privatschule als Rettung

Schließlich zog die Mutter die Notbremse. Fehlende Lernfortschritte und Sorgen um Lenas weitere Schullaufbahn führten zur Entscheidung. Nach der zweiten Klasse wechselte Lena in eine Privatschule im dritten Bezirk. Die monatlichen Kosten: 560 Euro.

Die Schule ist teuer, doch Sabine bereut die Entscheidung nicht. "Ich wollte nicht zusehen, wie meine Tochter den Anschluss verliert", sagt sie. "Es geht um ihre Zukunft."

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