Marion G. (44) und Stefan S. (42) leben im 20. Wiener Gemeindebezirk. Die beiden haben sich gut auf den Schuleinstieg ihres sechsjährigen Sohnes Emil (Name geändert) vorbereitet.
"Wir haben uns diverse Volksschulen im Bezirk und in der näheren Umgebung angeschaut, etwa am Tag der Schulen. Dort haben wir dann nicht nur mit der Schulleitung, sondern auch mit Elternvertretern und anderen Eltern gesprochen, um ein möglichst genaues Bild von der jeweiligen Schule zu erhalten", erzählt der 42-Jährige.
Die Wahl fiel schließlich auf die Ganztagesvolksschule (GTVS) Novaragasse in der Leopoldstadt: "Es gibt leider im 20. Bezirk wenige GTVS. Daher haben wir uns für die Novaragasse entschieden – dort gehen auch viele Kinder aus dem 20. Bezirk hin. Die Schulleitung hat zu uns gemeint: 'Sie kriegen sicher einen Platz. Und, wenn nicht, dann mach ma einfach eine neue Klasse auf'", berichtet Stefan S.
Das Paar gab daher die Novaragasse und noch eine zweite Schule als Wunschschule für den Schulstart ihres Sohnes an – doch es kam anders: "Emil wurde einer Schule im 20. Bezirk zugeteilt – der VS Dietmayrgasse. Es handelt sich um eine Brennpunktschule. Emil wäre der einzige aus dem Kindergarten gewesen, der dort hingeht."
Laut Marion G. und Stefan S. waren sie nicht die einzigen, die keinen Platz in der Novaragasse erhalten haben: "Es sind einige nicht genommen worden, allein aus Emils Kindergarten wissen wir von sieben weiteren. Dafür haben Kinder, die doppelt so weit weg wohnen wie wir, den Platz bekommen. Angeblich wurden sehr viele aus dem Nordbahnviertel zugewiesen, die aber gar nicht hinwollten. Deswegen gab es keinen Platz für uns mehr", meint Stefan S.
Besonders Sorgen bereitet den Wienern der hohe Migrationsanteil in der Dietmayrgasse: "Wenn Emil mit drei oder vier anderen Kindern mit deutscher Muttersprache dort hingekommen wäre, dann wäre es vielleicht gegangen. Aber, wenn er allein dort in der Klasse sitzt, wo de facto niemand Deutsch spricht, schaut die Sache anders aus – davor fürchte ich mich", meint Marion G.
Marion G. und Stefan S. überlegten hin und her, schließlich entschieden sie sich für eine Privatschule in der Leopoldstadt: "Bei der Schulzuweisung wird über einen drübergefahren. Die Entscheidungen sind außerdem völlig intransparent. Wenn das eigene Kind allein in einer Brennpunktschule landet, bleibt einem nichts anderes übrig, als es in einer Privatschule anzumelden."
"Heute" fragte bei der Bildungsdirektion nach, wie es zur Schulzuweisung kam: "In diesem Fall war die Wunschschule aufgrund des hohen Bedarfs im 2. Bezirk verpflichtet, vorrangig Kinder aus dem Einzugsgebiet aufzunehmen. Kapazitäten für Kinder aus anderen Bezirken standen nicht zur Verfügung. Zudem ist die zugewiesene öffentliche Schule näher am Wohnort als die Wunschschule", erklärt eine Sprecherin.
Und weiter: "Die Zuteilung erfolgt nach klaren gesetzlichen Kriterien und durch die zuständige Abteilung Präs/6 – Schulplatzvergabe der Bildungsdirektion für Wien. Volksschulleitungen können selbst keine verbindlichen Zusagen zu Schulplätzen erteilen. Nach Rücksprache mit der entsprechenden Schulleitung kann ich festhalten, dass keine Zusicherung stattgefunden hat." Heuer konnten 90 % aller Kinder ihrer Wunschschule zugewiesen werden, so die Sprecherin abschließend.