Krank, dennoch arbeitsfähig

"Lebendig begraben" – Tirolerin kämpft gegen PVA

Alexandra M. ist schwer krank, sagt sie. Trotzdem soll die 54-Jährige arbeiten – jetzt kämpft sie gegen die Entscheidung der PVA.
Michael Pollak
13.04.2026, 05:45
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Vor der Krankheit war Alexandra M. voller Energie. Sport, Berge, ihr eigenes Café – sie war immer aktiv, immer im Einsatz. Heute beschreibt sie ihr Leben so: "Ich bin lebendig begraben."

Die 54-Jährige aus Schwaz in Tirol leidet an ME/CFS, einer schweren chronischen Erkrankung. Doch die Pensionsversicherung sieht das anders. Für sie gilt Alexandra als arbeitsfähig.

Für die Betroffene ist das unverständlich. "Wenn ich zehn Minuten Haushalt mache, liege ich wahrscheinlich den ganzen Tag", erzählt sie. Atemnot, Kopfschmerzen, Schwindel und Schmerzen in den Beinen bestimmen ihren Alltag. Selbst Duschen wird zur Belastung.

Besonders schwierig: Termine beim AMS. "Ich bekomme ständig Termine zum Erscheinen und Bewerbungsunterlagen, wo ich mich sofort vorstellen muss." Für Alexandra wird jeder Weg zur Qual. "Wenn ich vor die Haustür gehe, bin ich so fertig, dann muss ich mich hinlegen."

Ihr Weg zur Diagnose war lang. Seit 1995 war sie immer wieder in Kliniken, ging auf Reha und zur Therapie – damals hieß es noch, es wäre eine psychische Erkrankung. Doch es ging ihr stetig schlechter. "Vor zehn Jahren habe ich gesagt, das kann doch nicht die Psyche sein."

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2023 dann der Zusammenbruch: Sechs Wochen konnte sie das Bett nicht verlassen. Erst danach kam der Verdacht auf ME/CFS. Einen Termin bei einem Spezialisten in Kufstein bekam sie erst nach zwei Jahren Wartezeit.

Im Oktober 2025 dann endlich die Diagnose: mittelschwere bis schwere CFS.

Für Alexandra ein Wendepunkt – doch bei den Behörden änderte sich nichts. "Was ich mir von Gutachtern alles anhören musste: 'Die will einfach nicht arbeiten.'"

Mehrfach stellte sie Anträge bei der Pensionsversicherung – alle wurden abgelehnt. Auch in letzter Instanz wurde sie als arbeitsfähig eingestuft.

Von der Pensionsversicherung heißt es gegenüber "Heute", dass Alexandra M. zweimal (2020 und 2023) Anträge auf Invaliditätspension gestellt habe: "In keinem der beiden Anträge wurden Angaben zum Vorliegen einer ME/CFS-Erkrankung gemacht. Unter dem Punkt 'Angaben zum Gesundheitszustand' wurden andere Beschwerden genannt, weswegen medizinische Begutachtungen in diesem Fachbereich durchgeführt wurden.“

Klagen zurückgezogen

Danach habe M. jeweils Klage eingereicht: "Bei dem im Zuge dessen durchgeführten internistischen Gutachten thematisierte Frau H. 2024 erstmals ein Vorliegen der Erkrankung ME/CFS, dies wurde vom gerichtlich bestellten Gutachter auch ausführlich berücksichtigt." Daraufhin zog M. die Klagen zurück, "da die bereits vorliegenden Gutachten der gerichtlich beeideten Sachverständigen die Entscheidung der PV (Anm.: Ablehnung Antrag auf Invaliditätspension) bestätigt haben."

Heute lebt Alexandra M. von rund 600 Euro im Monat. Das Geld reicht gerade für Ärzte und Medikamente. "Ohne meinen Partner würde ich gar nichts schaffen."

Ihr Alltag ist stark eingeschränkt. Autofahren geht nicht mehr, erzählt sie, M. braucht meist eine Begleitperson. Helles Licht, viele Eindrücke oder Treffen mit anderen Menschen überfordern sie schnell. "Ich kann nicht länger raus, ich bin den ganzen Tag zuhause, Rollläden unten", sagt sie.

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